Kohl, Helmut
Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945 — Heidelberg, 1958

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Die Wiedergründung der Kommunistischen Partei in der Pfalz

Die Kommunistische Partei hatte in der Pfalz vor 1953
keinen bestimmenden Einfluss erringen können, die wirt-
schaftliche und soziale Struktur dieser Landschaft war
für die kommunistische Ideenwelt nie besonders günstig.
Bei der Reichstagswahl 1924 erreichte die KPD mit 13,5$
1)
ihren höchsten Sti imenanteil in der Pfalz. Lediglich
in einigen Städten wie in Ludwigshafen, Frankenthal,
Speyer, Neustadt und Kaiserslautern und den in ihren Bann-
meilen liegenden Arbeitergemeinden gewann die KP einige Be-
deutung. Neben dem Aufbau ihrer Parteiorganisation ver-
suchten die kommunistischen Führer mit einigem Erfolg
in den Gewerkschaften Einfluss zu gewinnen.
2)
Die Kämpfe im Berliner Zentralkomitee der KPD blieben
auf die kommunistische Parteiorganisation in der Pfalz
nicht ohne Folgen. In den Jahren 1925 bis 1929 wurden
viele pfälzische Parteifunktionäre wegen “trotzkistiseher55
und "reformistischer'1 2 3 4 Abweichungen aus der Partei ausge-
schlossen. In manchen Ortsgruppen - so beispielsweise im
Jahre 1928 in Ludwigshafen - traf diese Maßregelung bis zu
3)
achtzig Prozent aller Parteifunktionäre. Auch ein grosser
Teil der Gründer der KP der Pfalz nach 1945 fiel damals
diesen Aktionen des Berliner Zentralkomitees zum Opfer.
So wurde 1928 zusammen mit dem damaligen Bezirkssekretär
der KP Pfalz Hans Weber, Speyer, - der auch Mitglied des
Zentralkomitees der KPD war - der Organisationssekretär
der KP Pffilz Max Frenzei als "Trotzkist" aus der Partei aus-
geschlossen. Wenig später wurde auch der erste pfälzische
Landtagsabgeordnete der KP, der Metallarbeiterführer Fritz
Baumgärtner, als Angehöriger der "Gewerkschaftsopposition”
aus der Partei ausgestossen. Bei den Stsdtratswahlen 1928
1) Vgl. .Anhang S. IX
2) Vgl. Flechtheim, Die KPD in der Weimarer Republik
3) Mündliche Mitteilung von M.Frenzel an den Verfasser am
10.1.1958» Max Frenzei wer nach dem Kriege bis 1948 dritter
Bürgermeister der Stadt Ludwigshafen und später Sekretär
der Industriegewerkschaft Metall. Ende 1948 wurde er als
''Titelst'1 erneut aus der Partei ausgeschlossen.
4) Mündliche Mitteilung von M. Frenzei an den Verfasser em
10.1.1958

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