Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 4): Schlachtfelder aus den Perserkriegen, aus der späteren griechischen Geschichte und den Feldzügen Alexanders und aus der römischen Geschichte bis Augustus — Berlin, 1931

Page: 178
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Peloponnesischer Krieg und 4. Jahrh.

zwar muß erstens Delion festgelegt werden, weil Thukydides für den
Ort der Schlacht eine Entfernung von lü Stadien von Delion angibt.
Zweitens muß, weil die Richtung des athenischen Rückzuges nicht
feststeht, diese aus der Gegend erschlossen werden, wozu deren
genaue Beschreibung, besonders die Kenntnis der Lage von Oropos
und des Weges zum Parnespasse notwendig ist.

r.

Die Topographie.

(Hierzu Schlachtenatlas griech. Abt. Blatt 3, Kärtchen 4.)

1.

Delion.

Zur Zeit des peloponnesischen Krieges war das Delion ein im Ge-
biet von Tanagra nahe der Küste gelegenes Heiligtum des Apollo (Thu-
kydides IV 76,4 jrpo? Eußotav TSTpa^evov). Noch deutlicher bezeugen
Herodot (VI 118 M Q-cdä<7<7y] Xa^/iSoe xa-avuov) und Pausanias
(IX 20,1: cd S-alafftrri y.a).ou[i.£vov Ay^iov), daß es unmittelbar am Meere
lag. Diese Angaben vervollständigt Livius (XXXV 51, 1): Templum
est Apollinis Delium, imminens mari, quinque milia passuum ab
Tanagra abest; minus quattuor milium inde in proxima Euboeae
est mari traiectus. Mit dieser Entfernung von ungefähr 7V2 km von
Tanagra und annähernd ö km bis Euböa kommt man in die Nähe
des heutigen Dilesi, eines 400 m von der Küste entfernten Dörfchens.
In der Umgebung des Heiligtums war schon z. Z. des Thukydides
(IV 90,2) eine Ortschaft entstanden, welche auch von Strabo (IX 2,7) und
von Stephanus von Byzanz erwähnt wird. In gleicher Weise deutet
auch Livius (XXXI45.6) auf Delion als auf einen Hafenort hin. Dieser
ist „längst in der Nähe der Stätte des heutigen Dilesi wieder erkannt
worden" (Milchhöfer S. 16). Der geographischen Lage nach war
der Ort als Hafen sehr geeignet. Der Euripus bildet an dieser Stelle
eine kleine Bucht ; der sich an der Meerenge entlang ziehende schmale
Küstensaum erweitert sich hier bedeutend und geht in eine kleine
Talebene über, die von niedrigen, größtenteils mit Pinien bewachsenen
Hügeln umgeben wird und an deren Südseite das Dorf Dilesi liegt.
Über das Gelände am Meeresufer selbst sagt Ulrichs, der diese
Gegend von dem 6 km nördlich gelegenen Dramesi besucht hat (Reisen
S. 46): „Verfolgt man nun den nächsten Weg am Strande hin nach
Oropos, so entdeckt man rechts am Wege in dichtem Gebüsch ver-
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