Kromayer, Johannes [Editor]; Veith, Georg [Editor]
Antike Schlachtfelder: Bausteine zu einer antiken Kriegsgeschichte (Band 4): Schlachtfelder aus den Perserkriegen, aus der späteren griechischen Geschichte und den Feldzügen Alexanders und aus der römischen Geschichte bis Augustus — Berlin, 1931

Page: 317
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8. Die Schlacht von Mantinea 362 v. Chr.

Hierzu Schlachtenatlas gr. Abt. Blatt 5 Kärtchen 7 und 8.

An meine Darstellung der Schlacht von Mantinea im ersten
Bande der Schlachtfelder S. 27 ff. hat sich eine lebhafte Polemik an-
geschlossen, deren einzelne Aufsätze im Schlachtenatlas griech. Abt.
Text Spalte 35* aufgezählt sind.

Da ich die Einwände meiner Gegner in meiner Schrift „Zu den
griechischen Schlachtfelderstudien" Wiener Studien 27 (1905) S. 1 ff.
genügend widerlegt zu haben glaube, komme ich hier nicht wieder
darauf zurück mit Ausnahme eines Punktes, in welchem ich meine
in den Schlachtfeldern vertretene Auffassung geändert habe. Dieser
Punkt betrifft die Dispositionen, welche Epaminondas für seinen An-
griff gemacht hat. Da dadurch ein ganz anderes Bild der Schlacht
entsteht, welches auch zeichnerisch im Atlas (Kärtchen 8) zum Aus-
druck gekommen ist, so halte ich es für richtig, zur Bequemlichkeit
des Lesers, die wichtigsten Teile meiner auf diesen Punkt bezüg-
lichen Ausführungen in den Wiener Studien, mit kleinen Verände-
rungen, hier zu wiederholen:

Man hat bisher allgemein angenommen, daß Epaminondas seine
Böoter in besonders tiefer Aufstellung auf den linken Elügel gestellt
und diesen als Angriffsflügel bestimmt habe, während er die anderen
Truppen ins Zentrum und auf den rechten Flügel als Defensivflügel
verwiesen haben. Der Angriffsflügel sei wegen des schrägen An-
marsches zuerst mit dem Feinde zusammengestoßen, im übrigen aber
das Heer mit breiter Phalanxfront in Linie gegen den Feind vor-
gegangen.

Diese Annahme ging hervor aus dem als unantastbar be-
trachteten Gedanken, daß die schiefe Schlachtordnung wie bei Leuktra,
so auch hier zur Anwendung gekommen sein müsse, und darüber
hat man ganz versäumt, genau und vorurteilsfrei zu untersuchen,

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