Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

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Brunnendenkmal-Äonkurrenz.

mit reicher Grnamentik überkleidete Pfeiler-Aufbau
möchte sich ebenso wenig in die geschilderte, bürgerlich-
schlichte Umgebung einfügeu wie die Arbeit des vorher
genannten Aünstlers. Auch harmoniren die klassische
Architektur und die sie bekrönende mittelalterliche
Reiterfigur schlecht niiteinander, wie denn überdies
jener kleine Rcitersmann, trotz seiner langen Stange,
im Verhältniß zu der unten angebrachten Aaiser-
büste bei der Ausführung im Großen den mininmlen
Eindruck einer Nippefigur machen müßte. jAbb. 2\
und 22.)

München. Dr. G. Hch.

$

23. Bronzene Grabtafel von L. Pfeifer, München.

Wasser fällt aus Wasserspeiern in zwei größere vorn
und rückwärts, und zwei kleinere seitlich vorgelagerte,
halbrunde Bassins, deren abwechslungsreiche Anlage
sich sehr günstig präsentirt. Der Sockel faßt auf
beiden Seiten je eine aus seinem Aern gehauene
Bogennische, in denen der Künstler, einer überaus
glücklichen Idee folgend, die Segnungen des Waldes
i» zwei poetisch empfundenen Reliefkompositionen
veranschaulicht, die beide als lauschige ^ucllenwinkel
gedacht sind, hier sitzt ein Knabe mit einem Reh-
lein, dem Gesang der Waldvögel lauschend, dort
kniet eine kleine Dirn dein: holzsuchen am ^uell
nieder, um Wasser mit der Hand zu schöpfen. —
Was den Entwurf trotz dieser hübschen Züge als
ungeeignet für die Ausführung erscheinen läßt, sind
die schweren, massigen und dabei übermäßig kompli-
cirten formen des Sockels, die allenfalls auf den
düsteren Marktplatz einer alten Sachsenstadt, aber
nicht zu der bescheidenen, kleinstädtischen Umgebung
des Weißenburger Holzmarktes passen wollen.

Der Pf an n pfeif ersehe Entwurf hält sich in
den formen einer kühlen Klassicität, die der genannte
Architekt so trefflich bemeistert. Allein der schlanke,

3m Anschluß an das in vorstehendem zuletzt
besprochene Modell von Pfeifer bringen wir
noch einige weitere Arbeiten des gleichen Bildhauers,

25. Bronzene Gedächlttißtafel von <£. Pfeifer, München.

— Gedächtniß- und Grabtafeln, die nach
dessen Modellen in Bronze gegossen worden. Die
grundsätzliche Verschiedenheit der größeren von den
beiden kleineren Tafeln beruht in der Aufgabe; im
ersten Fall mußte die Tafel an einer senkrechten
wand angebracht werden, während in den beiden
andern Fällen die Tafel dazu bestimmt war, die
leicht gewölbten steinernen Sarkophagdeckel mit einem
Schmuck zu versehen. Durfte bei der senkrechten
wand die Schriftumrahmung starkes Relief be-
kommen, so mußten die auf den wagrechten Stein-
deckeln angebrachten Schrifttafeln mit Rücksicht auf
die Verkürzung, in der man sie in der Regel sieht,
sich auf flacher gehaltenen Zierrath beschränken.

2q. Bronzene Grabtafel von L. Pfeifer, München.
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