Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Page: 309
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HS2. Porzellanvasen von Aleinhempel und Schlicht, Dresden. (*/6 der wirkl. Größe.)

(Das AunfkHewerKe auf der
„lAeuifchen(>lunsiaussieLbung" zu
(Dresden. (Von Dr. S. Jimmerr
mann. (Schluß.)

ünchen, das mehr und mehr zur
führenden Stadt Deutschlands auf
allen Gebieten der bildenden Aunst
wird, stellt sich auch bereits für
die kunstgewerbliche Bewegung als
der eigentliche Brennpunkt dar.
Bon hier hat sie ihren ersten Ausgang genommen,
hier ist auch in ihren Diensten die größte Zahl
von Aräften thätig, hier sind die meisten Resultate
bereits gezeitigt worden. Wenn Ludwig I. heute
noch einmal fein liebes München seheit könnte, er
würde gewiß erschreckt sein, wie die Aünstler hier
statt allein der hohen Aunst zuzustreben, für die er
ihnen den Weg geebnet zu haben glaubte, sich mit
solchen halbkünstlerischcn Nichtigkeiten beschäftigen,
für die damals der ehrsame Handwerker gerade gut
genug war, und doch sind auch dies die Früchte
seiner Saat, die nur dank der durch ihn gewährten
Möglichkeit ruhigen künstlerischen Schaffens hier zur
Reife gelangen konnten.

Neben München konnte bisher allein das in
künstlerischer Beziehung in letzter Zeit so erstaunlich
schnell gesundete Aarlsruhe in Betracht kommen.
Berlin hat eigentlich nur seinen einzigen Otto Eck-

mann, noch dazu sich von auswärts verschrieben.
Die Ausstellung jedoch zeigt, daß jetzt auch Dresden
gewillt ist, mit aller Energie in die kunstgewerbliche
Arena zu treten. Zwar ist die Bewegung hier noch
recht jung, wenn auch schon vor einigen Zähren
Prof. Gußmann als Retter der dekorativen Aunst
an die hiesige Akademie gerufen wurde. Man hat
jedoch bisher wenig von seinen Thaten gesehen.
Vergangenes Jahr ist ihm der Münchener Aarl Groß,
einer der schon Bewährten, an die Aunstgewerbe-
schule gefolgt. Die Lust der einheimischen Zugend
ist dadurch erwacht, die Möglichkeit praktischen
Schaffens durch die Firma Schmidt & Müller, die
nach Münchener Vorbild die modernen kunstgewerb-
lichen Bestrebungen zu zentralisiren sucht, bereits
gegeben. Groß können die Erfolge bei der Aürze
der Zeit noch nicht fein. Vor der imponirenden
Gesammtwirkung der Arbeiten der Münchener
Aünstler können die „Versuche" hier noch nicht recht
bestehen. Aber es ist doch schon manches erreicht.
Vor Allem hat sich eine Selbständigkeit geoffenbart,
die keineswegs gewillt ist, sich von München oder
einem anderen Aunstzentrum in's Schlepptau nehmen
zu lasten. Darin dürfte die größte Garantie für eine
Zukunft liegen.

Zwei geschloffene Gesammträume werden auch
hier schon vorgeführt. Zunächst das sog. Nibelungen-
zimmer Prof. Gußmanns, wohl nur die Abschnitts-
probe eines größeren Raumes, die Anregung zu einem
Prunkgemach (Abb. 4.6^). Es hat hier keinen leichten
Stand. Seine fürstliche Pracht, sein blendender Reich-

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Aunst und Handwerk. 49. Zahrg. Heft \2.

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