Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

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Technik der Tiffanyschen Glasbilder.

^S5. Skizze von Vtto Rieth, Berlin.

Technik -er Tiffanxscheu Skae^
Kikder. (Von Dr. (J). (XreK»
München.

pte prachtvollsten leuchtendstenFarben-
effekte, welche die Kunst hervor-
zubringen vermag, erzielt sie mit
durchscheinenden farbigen Gläsern,
hierin Alles bis jetzt dagewesene
überboten zu haben, dürfen die
Anrerikaner sich rühmen. Sie erreichten dies, in-
dem sie mit der dieser Nation eigenen Kühnheit,
unbeirrt durch irgend welche Tradition oder durch
ästhetische Prizipien, auch unbekümmert unr die Kosten,
in der Ausbeutung der Mittel keinen noch so raf-
finirten Kunstgriff, der ihnen dienlich fein konnte,
unbenützt ließen.

So vermochten sie es, die Pracht der bewundert-
sten Blumen und Früchte, ihre Lammt- und Leide-
farben, ihr Glänzen und Schimmern und ihr weben
in zarten, gehauchten Tönen wiederzugeben. Lie ver-

mochten es, submarine Prospekte, von welchen uns
Aquarien eine Vorstellung geben, uns sehen zu lassen,
jene brillanten, aber weich verschmolzenen Töne des
bewegten Wassers, der Meerespflanzen und der Fische.

Lie vermochten es ferner, Interieurs darzustellen.
Räume, von der Luft durchfluthet, das Spiel der
hereindringenden Sonnenstrahlen und den Einblick in
dämmrige Winkel. Sie stellten Figuren in ein solches
Interieur, deren Fleischton wunderbar licht und klar
und doch nicht hart von der Umgebung sich lostrennt,
deren Gewandfalten sich in reichen Uebergängen
fchattiren.

welches sind nun die Mittel, mit welchen die
Amerikaner dies Alles erreichten?

Drei Gemälde von Tiffany & To. in New-!)ork
in der internationalen Kunstausstellung zu München
vorletzten Jahres geben darüber allen erwünschten
Aufschluß. Das eine dieser Gemälde (Abb. \<56)
breitet in verschwenderischer Fülle Blumen und
Früchte vor uns aus, das zweite (Abb. s67 u. s68)
läßt uns einen Blick in das Reich der Fische thun.
Das dritte, größere Bild (Abb. zeigt eine marmor-
gepstasterte Palle, durch einen Springbrunnen, ein
Aquarium und durch Blumenvasen geschmückt; ein
Mädchen in antiker Tracht sitzt an dem Wasserbassin
und vergnügt sich damit, zwei Flamingos zu füttern.

Zunächst ist bezüglich der Technik zu konstatiren,
daß von dem Aufmalen von Schwarzloth und andern
Farben sehr wenig Gebrauch gemacht ist; bei den
beiden erstgenannten Gemälden fast gar nicht, so daß
also nirgends merkbar ein trockener Ton sich unter
die quellfrischen Farben hineinmischt. Bei dem In-
terieur dagegen verhält es sich anders. Die Sonnen-
flecken auf den Säulenstämmen sind z. B. dadurch
hervorgebracht, daß der übrige Theil der Säulen
mit einem Schattenton überzogen ist. Auch das Ge-
sicht des Mädchens und dessen bloße Anne sind durch
Malerei nicht nur modellirt, das Inkarnat ist berück-
sichtigt und die Augenfarbe. Es wurde aber nicht,
wie bei den Glasgemälden älteren Genres dazu die
Schraffirung benützt, die Töne sind vielmehr wie in
einem Porzellangemälde vertrieben. Auch die paare
sind so behandelt, wie inan sie etwa in Gel malen
würde. Im Aebrigen finden wir nur da und dort im
Bilde mit etwas Farbe lasurartig übergewischt oder
einzelne Splitter und Plättchen von farbigem Glas
aufgeschmolzen. So ist ein Theil der Platten des
Bodenmosaiks in erwähnter Palle dadurch von den
andern unterschieden, daß durch ein Ueberwischen mit
einem halbtrockenen Pinsel wie auf rauhem Papier
die Farbe nur da und dort zu haften kam.

Die Pflanzen, die auf dem Meeresboden wachsen,
von den Wirbeln des Wassers in spiralischen Win-
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