Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Page: 132
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Chronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

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Äkkgemeine (Vereinsnachrichten.

von zahlreichen, in der Zeitschrift veröffentlichten Gegen-
ständen können die Griginal- Photographien den betreffenden j
Kunsthandwerkern im Vereinssekretariat ausgefolgt werden. Ls
befinden sich darunter Arbeiten von Albertshofer, v. Berlepsch,
Dittler, Heiden, Kirsch, Lichtinger, Merk, Michael, Naager, Pacher,
Pössenbacher, Riegel, Ringer, Schlicht, Schmidt Sc Lie., Balth.
Schmitt, Lm. Seidl, Steinicken, den Verein. Werkstätten für Kunst
im Handwerk, Vogel öd Alckens, Wenig, Wilhelm öd Lind,
Winhart öc Lie. — Die betreffenden Blätter müssen vor dem
20. Februar abgeholt werden, da sie nach diesem Termin nicht
mehr aufbewahrt werden können.

Zur Lehrlings-Preisbewerbung waren bis zum 31. Dez. |
angemeldet 3 Schlosser, 2 Schreiner, je ein Bildhauer, Gold-
schmied und Ziseleur, zusammen acht.

Line Vereins-Lxkurffon, die von etwa 300 Mitgliedern
besucht war, fand am Sonntag den 8. Januar statt; sie galt
dem Hause Prof. Fr. Stuck's, der in liberalster Weife nicht nur
fein Atelier, sondern auch seine sämmtlichen Wohnräume den
Besuchern öffnete, von denen gewiß keiner das prächtige Haus
verlassen hat, ohne ein Gefühl der Bewunderung für die
harmonische Ausgestaltung dieses Künstlerheim's mitzunehmen.
Prof. Stuck hat seinem Entgegenkommen gegen den Verein die
Krone aufgesetzt, indem er unserer Zeitschrift die
Veröffentlichung der prächtigen Jnnenräume
gestattet hat.

Glaspalast-Ausstellung Mg. Die Betheiligung des Vereins
an dieser Ausstellung ist wieder fraglich geworden; doch sind
die Verhandlungen darüber mit der Künstlergenossenschaft noch
nicht zum Abschluß gelangt.

Mochenversaimnkungen.

Dritte wochenvevsammlung — am 22. November. Japan
war an diesem Abend Parole. Die sehr zahlreich besuchte Ver-
sammlung wurde vom ;. Vorsitzenden, Prof. v. Thiersch, er-
öffnet, indem er Herrn L. v. Berlepsch das Mort erteilte zu
seinem Vortrag über japanische Farbenholzschnitte.

Japans Kunst ist schon lange für uns von maaßgebendem
Linstuß. und zwar rein künstlerischer Art, geworden; nachdem
bei uns bereits seit der Renaissaneezeit das Staffeleibild die
Flächendekoration vollständig in den Hintergrund grdrängt hatte,
hat uns die Kunst Japans die Augen dafür wieder geöffnet.
Japans Malerei verzichtet auf unmittelbar täuschende Wirkung;
sie bleibt reine Flächendekoration und erreicht trotzdem den
Schein der Lebendigkeit. Sie unterwirft die Raumgebilde nicht
den Gesetzen der Perspektive, sie deutet das vorn und Hinten
durch couliffenartige Darstellung an, — sie bringt bei runden
Körpern keinen Schatten, bei Wasser keine Spiegelung, — ihre

Menschen zeigen beim Mienenspiel einen ernsten, gemessenen
Ausdruck und auch bei heftigen Bewegungen eine verhältniß-
mäßig große Ruhe. Die japanische Malerei hat darum eine
unbestreitbare Aehnlichkeit mit der europäischen Malerei kurz
vor Erfindung der Belmalerei. Die japanische Malerei steht
in den engsten Beziehungen zur japanischen Kalligraphie, bei
der ja die Handhabung des Pinsels eine ausschlaggebende Rolle
spielt; sie war lange Zeit eine Liebhaberei — ein Spiel, ein
| Sport — der Wohlhabenden und erstrebte mit dem geringsten
| Aufwand an Mitteln die größtmögliche Vollkommenheit, wobei
| die Farbenstimmung stets der Ausdruck des ganz persönlichen
! Empfindens war. — Der japanische Farbenholzschnitt erreichte
im ;8. Jahrhundert seine höchste Bliithe; er ging zurück mit
dem Erstreben möglichster Naturtreue. Die Bekanntwerduug
japanischer Farbenholzschnitte war von größtem Einfluß auf
das europäische Plakat, das ohne diese japanischen Vorbilder
in seiner jetzigen Entwicklung gar nicht denkbar wäre. Seinen
Anfang nahm der Holzschnitt in Japan mit dem Ende des
\f,. Jahrhunderts, als bei den vornehmen das Bestreben er-
wachte, die Kunst dem Volke zugänglich zu machen. Erst be-
gnügte man sich mit einer schwarzen Platte, bis man farbige
Platten dazugesellte, deren Zahl in der besten Zeit s—7 betrug,
in manchen Fällen (in unserem Jahrhundert) bis zu 30 stieg.
Maler und Holzschneider waren hier — so wenig wie bei den
Holzschnitten Dürer's, Holbein's und Anderer — nicht in einer
Person vereinigt. Man benutzte hartes Birnbaumholz und
zwar nicht Hirnholz •— wie bei dem modernen europäischen
Holzschnitt —, sondern Langholz; die Zeichnung wurde nicht
j direkt auf den Holzstock gezeichnet, sondern auf durchsichtiges
Papier, welches auf den Holzstock geklebt wurde. Ium Druck
! bediente man sich keiner Presse, sondern nur der Hand, höchstens
eines Reibers;'es lag somit völlig in dem Machtbereich des
Druckers, beim Farbauftrag auf jeder einzelnen Platte beliebige
Tontiefeit herbeizuführen. Ein Uebereinanderdrucken mehrerer
Farbentöne zur Erzeugung eines größeren Farbenreichthums
fand nicht statt. Die Farben bestanden früher zumeist aus
Pflanzensäften; die Einführung der Anilinfarben trug den
Keim des Verderbens in die zarte, milde, harmonische Farben-
stimmung der japanischen Farbenholzschnitte und Malereien. —
Der ungemein klare und überzeugende Vortrag, der durch
eine ungezählte Menge altjapanischer Farbenholzschnitte aus
dem Besitz des Vortragenden und dem des Malers Benno
Becker ergänzt wurde, fand ungetheilte Atierkennung; der
vom Vorsitzenden gegebenen Anregung zu einer naheliegenden
Diskussion über Naturalismus und Stilismns konnte leider
keine Folge gegeben werden, da den Anwesenden noch eine
große Zahl Bilder von Land und Leuten Japans niit dem
Projektionsapparat vorgeführt wurden, deren Erläuterung Prof-
vr. Selenka — unseren Lesern durch seinen letztjährigen
Vortrag als gewiegter Kenner Japans bekannt — in so fesselnder
und eingehender Weise durchführte, daß nach Schluß derselben
weder Zeit noch Stimmung zu einer Debatte übrig waren.

verantw. Red.: j)rof. t. Gmelin. — Herausgegeben vom Bayer. Aunstgewerbe-Verein. — Druck und Verlag von R. Mldenbourg, München.
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