Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Page: 161
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1898_1899/0179
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Elektrisches Lichtgeräth.

ist, deren weitvorspringende, die Füße bildenden Aus-
läufer zwar dem bequemen Tragen der Lampe hin-
derlich sind, aber dafür dem Ganzen eine ungewöhn-
liche Standfestigkeit verleihen, die noch durch die tiefe
Lage des Bassins vermehrt wird. Die Lampe könnte
wegen der Nähe der Flamme an der Tischfläche zweck-
mäßig auf dem Studirtisch ihre Verwendung finden
oder — ihrem ausgesprochenen Charakter des Im-
mobilen zu Liebe — als Vestibullampe auf besonders
gestaltetem Postament. (In der Zeichnung ist die
vordere Stütze des Glocken-Reifes weggelassen.) Bei der
Ausführung der Lampe von Fr. Adler (230) würde
es sich empfehlen, den schlanken Schaft durch Ver-
dicken etwas griffiger zu gestalten und dem Behälter
etwas weniger pöhe zu geben. Wenn der letztere dabei
aus dunklem Glase gefertigt und seine Fassung durch-
brochen hergestellt würde, so wäre eine weitere nicht
unwichtige Bedingung für eine praktische Petroleum-
lampe erfüllt.

SkeAriscßee Licßtgeraiß.

ein Geräth bietet dem entwerfenden
Aünstler so dankbare Aufgaben zur
Bethätigung der Phantasie als das
Lichtgeräth, namentlich jenes, das als
Träger des elektrischen Glühlichts dient.
Die Ungebundenheit in Bezug auf die aufrechte
Stellung des Leuchtkörpers, — die Leichtigkeit der
Stromzuführung mittelst dünner, fast unsichtbarer
Drähte, — die geringe Wärmeentwickelung, welche
die Feuersgefahr beinahe ausschließt, das sind lauter
Umstände, welche auf die Phantasie besonders starke
Reize ausüben und die eine Mannigfaltigkeit der
Lösung derselben Ausgaben gestatten, wie sie z. B.
der zuvor behandelten Petroleumlampe nicht be-
schieden ist. Dies bestätigen unsere Abb. 25 f—25p
Für alles Lichtgeräth ist es das Natürlichste,
daß die Lichtquellen sich dahin wenden, wo es etwas
zu beleuchten gibt, — bei Lüstern also z. B. nach
unten. Reizvolle, in vieler pinsicht vorbildliche
Lösungen dieser Art bilden Friedel's Lüster und
Deckenlampen, die er für vornehm ausgestattete
Privathäuser in Fürth (25 f—233) und Leipzig (254()
entworfen. Auch die Skizzen von Schlicht, Weber
und Grtlieb (24(0, 24(8, 250, 25f) variiren den
Grundgedanken der hängenden Lichtglocken, der ebenso
bei Friedel's Wandarmen (235 u. 256) und Alberts-
hofer's Lampenträgern (24p u. 24(2) auftritt.

Die mobilen elektrischen Tischlampen verlangen
einen eigenen, nicht zu schmalen und zu leichten
Fuß, etwa Lösungen, wie sie Riegel, Nicolai


230. Entwurf zu einer Petroleumlampe von Fr. Adler,
München. (Vs der wirkl. Größe.)

und Weber in ihren Entwürfen (24(3—24(7), Joseph
Zimmermann & To. in ausgeführten schmied-
eisernen Lampen (252—254() bieten. Bei dem hierfür
sehr geeigneten und gern verwertheten Motiv der
aussteigenden Pflanze bieten eben die Fußbildung
und der Lampenschirm — wenn ein solcher be-
liebt wird — die hauptsächlichsten Schwierigkeiten,
die nicht in allen Fällen glücklich überwunden sind.

G.
loading ...