Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

Page: 246
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Kleine Nachrichten,

(Eines der Infusionsthiere (Abb. 35^) zeigt eine künst-
lich aufgebaute feste Schale, fast in Form der päpst-
lichen Tiara, die von rythmisch wechselnden Reihen
von Öffnungen durchbrochen ist; das weit angelegte
Gitter schließt sich zu einem dichteren Rande zu-
sammen, worauf dann, je nach dem Verlauf des
Profils, größere und kleinere Meffnungen in Wechsel
vollem Spiele die Schale durchbrechen. Vielleicht am
meisten verblüfft uns eine zart gewölbte Flaschen-
form (Abb. 358) mit aufgelegten gezähnten Längs-
rippen, von denen acht vom Boden ausgehen,
während die acht dazwischenliegenden weiter oben
ansetzen; wo sich die Flasche verengt, schlingen sie
sich in graziöser Spiralwindung um den k)als bis
oben. Man wird nicht leicht eine schönere Lösung
für den Uebergang von solcher Meridianeintheilung
zur einfachen gewundenen Linie finden. Das Thier
hat einen halben Millimeter im Durchmesser!

Sechstheilige Sterne von wenigen Millimetern
Durchmesser bilden die Skelette von Sternkorallen
(Abb.356 u. 357); ein Blick auf diese Gebilde genügt
zur Bestätigung der alten Wahrheit, daß die ryth-
mische Wiederholung auch des einfachsten Motivs
eine dekorative Wirkung hervorruft. — Andere Ko-
rallenskelette (Abb. 359 u. 360) gruppiren sich um ein
rechtwinkeliges Axensystem; besonders reizvoll ist es
bei den abgebildeten Beispielen, wie die Rippen in
leicht geschwungenen Linien aus der Längsrichtung
der langen Mundspalten allmählich in die Querlage
übergehen. Mehr an Blumen erinnert wieder der
Mitteltheil eines Schlangensterns (Abb. 36 t).

Dies sind nur wenige Beispiele aus dem er-
staunlichen Reichthum des Gebotenen. Auf jedem
Blatt wird der Kunstgewerbetreibende eigenthümliche
Anregung finden. Aber auch wer die Natur nur
liebt und nicht verwerthet, wird feine innige Freude
an dieser neu eröffneten Wunderwelt haben.

Den weitern Gaben haeckels darf man daher mit
freudiger (Erwartung entgegensehen. Z. Braun.

362. Kunstformen der Natur.

(Mitteltheil eines Lchlangensterns, zehnmal vergrößert.)

560. 36;.

Kunstformen der Natur.

(339 u. 360. Kalkskelette zweier Tiefseekorallen. 36;. Röhren-
förmiger Kalkschwamm.)

(Meine Nachrichten.

(Vereine, Museen, Kchuken, Ausstellungen,
Mettkewerke ^e.

Ueber den Wettbewerbs, becr. Ruppelhalle in
Dresden (vgl. E)eft VII, S. 209), erfuhren unt-
erst nach Schluß der letzten Nummer, daß der Ter-
min für (Einreichung der Farbenskizzen für die Aus-
ntalung der Kuppelhalle bereits am 22. Zuni abläuft.
Die Skizzen sollen Vorschläge zur Ausschmückung
der Halle, sowie zu den Gemälden in der Kuppeldecke,
iit den vier Zwickelfüllungen und in den zwei
Halbkreisfüllungen enthalten und müssen im Maaß-
stab s : 25 gefertigt sein; außerdem ist mindestens
eilt (Entwurf für eine Zwickel- oder halbkreisfüllung
im Maaßstab (:(0, sowie in einer dem Charakter
der Wandntalerei entsprechenden Technik „fertig und
gehörig fixirt" zu liefern. Die nöthigen Architektur-
zeichnungen santt genauem Programm können gegen
(Erlegung von 5 M. voiit „Rath der kgl. haupt-
und Residenzstadt" Dresden bezogen werden. (<£in

!) Wettbewerbe werden stets an dieser Stelle bekannt gegeben; über die
jeweils in Schwebe befindlichen Wettbewerbe gibt der Wettbewerb-Aalender
auf Seite 2 des Anzeigentheils Aufschluß. Die Programme zu den Preisaus-
schreiben liegen auf dem Sekretariat des Bayerischen Aunstgewerbevereins zu
München zur Einsichtnahme durch die Vereinsmitglieder auf.

Die mit * bezeichneten Wettbewerb-Programme können in: Sekretariat
des bayer. Aunstgewerbevereins von den vereinsmitgliedern eingesehen werden.

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