Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

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Das Kunstgewerbe auf der Deutschen Kunstausstellung zu Dresden.

<*22. Musikzimmer von R. Riemerschmid (vgl. Abb. «*22).

vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk, München.

die Fortentwicklung, die dieser Frieden aus allen
Seiten ihr gewährleistet, auch im letzten Jahre ge-
funden, keine Ausstellung wird dies in diesem Jahre
so sicher sagen können wie die Deutsche Aunst-
ausstellung in Dresden. Sie ist für dies Mal die
Hauptrevue über die moderne kunstgewerbliche Be-
wegung in Deutschland, für Dresden freilich die erste
überhaupt. Als Hauptrevue scheint sie auch überall
in den maßgebenden Areisen erkannt worden zu sein.
Etwa achtzig Aussteller inacht der Aatalog namhaft.
Fünfzehn Räumlichkeiten umfaßt ihre Abtheilung,
darunter neun als einheitliche Zimmer hergerichtet,
und wenn bisweilen die Räume nicht sehr groß aus-
gefallen sind, so trifft die Schuld allein die Uleinheit
des ganzen Ausstellungspalastes, der sich mit dein
Münchner und Berliner an Größe nicht messen kann,
welcher Nachtheil indessen dadurch wieder wett ge-
macht wird, daß völlig neue, zu solchen Zwecken
noch nie benutzte Räume die Möglichkeit von
Neuschöpfungen von Grund aus boten. Liebe-
volle Aufnahme und Behandlung aber war ihr
von Seiten der Ausstellungsleitung von vornherein
gewiß. Bor zwei Zähren noch gezwungen, in Er-
manglung eines einheimischen künstlerischen Aunst-

gewerbes unter dem Deckmantel der Znternationalität
der Ausstellung beim Auslande umfangreiche An-
leihen zu machen — wollte man überhaupt erst ein-
mal dem Publikum Respekt vor dieser neuen Aunst
beibringen —, hat man jetzt keine Mühe gespart,
der jungen deutschen Aunst den Raum anzuweisen,
der ihr gebührt, und den sie hoffentlich, wie jetzt, so
auch in Zukunft mit allen Ehren ausfüllen wird.
Das Hauptverdienst gebührt hierbei den hiesigen
Herren, Geheiinrath v. Seidlitz und dem Architekten
Gräbner, die für das Gelingen dieser Abtheilung
ihre ganze Araft eingesetzt haben. So ist ein reiches
Bild dieser modernen Aunst zu Stande gekommen,
aber auch ein buntes, bunt wie die einzelnen Ström-
ungen dieser neuen Richtung selber. Sollen doch
viele Wege hier nach Rom führen. Stehen sich doch,
wie es erst kürzlich in dieser Zeitschrift auseinander-
gesetzt worden ist, Romantiker, Alassizisten und
Realisten, Gefühls- und Berstandeskünstler, Rück-
und Vorwärtsschauende — vorläufig noch friedlich
— gegenüber. Das ganze letzte Jahrhundert hat sich
gleichsam an seinem Ende noch einmal aufsummirt

*) vergl. Dr. Streiter „Moderne Kunstbestrebungen in
Wien", Heft VI dieses Jahrg. S. *<52.

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