Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 49.1898-1899

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Typographische Zicrstncke von Maximilian Dasio.

Antike den Vorzug für seine Darstellungen, die er
gleichfalls in Tyklen (5. B. „Die Musen", „Gr
pheus") zu vereinigen und nach der Reihenfolge ihres
Entstehens mit Gpuszahlen zu bezeichnen liebt.

Damit, daß diese Radirungen sich nicht sowohl
als Skizzen und pandzeichnungen, sondern gleichsam als
Schwarz-A)eiß-Gemälde geben, hängt es zusammen,
daß der Künstler, ähnlich wiederum wie Klinger in
„Amor und psycbe" und den „Rettungen ovidischer
Opfer", das Bedürfniß empfand, sie in Rahmen-
zeichnungcn einzu-
schließen, wodurch
schon rein äußer-
lich die Bildwir-
kungverstärkhaber
auch der Kontrast
und Zusammcn-
klang der Tiefen
und Helligkeiten
innerhalb des Bil-
des selbst noch
intensiver wird.

Naturgemäß wei-
sen auch diese
Umrahmungen in
ihren Ornamenten
antike Motive auf.

So zeigt der Rah-
men zu „Perse-
phone" (Abb.HHZ)
auf einem schweren
den Namen des
Bildes tragenden
Sockel zwei Pfeiler
mit hohen Drei
süßen, aus denen
lodernde Flammen
zu Einer Gluth
sich vereinigend,
emporschlagen. Architektonisch noch fester, geschlossener,
ganz nach Art der prunkvoll schweren Renaissance-
Rahmen, sind die Einfassungen von „Leda" und
„Vanitas" (Abb. 4^4 und ^5). Einem solchen
größeren Rahmen gehört auch der für sich als Zier-
leiste wirkende Ornamentstreifen mit dem von Del-
phinen umgebenen Namen „Europa" an (Abb. 4^6).
Immer ist aber darauf gesehen, daß eine gewisse
Einfachheit der Gliederung und der Motive bewahrt
bleibt, damit der Rahmen nicht die Aufmerksamkeit
von der cingerahmten Darstellung ablenke, die doch
immer als die Hauptsache zum Auge sprechen soll.

Titelzeichnungen (wie die für den Tyklus „Die
Anisen", mit den anmuthigen kauernden Mädchen-

gestalten) und Schlußvignetten (siehe den antiken
Altar mit der Opferschale auf S. 303) lassen noch
deutlicher als jene großen Rahmenzeichnungen Dasios
Neigung und Begabung auch für den eigentlichen
Buchschmuck erkennen. And zu dem darf man
denn wohl auch die Bücherzcichen, die Exlibris, rechnen,
niögen sie immerhin streng genommen ein bors
ck'oeuvre neben dem geschlossenen Ganzen des ge-
druckten und gebundenen Buches darstellen. Die
Exlibris Dasios nun haben den großen Vorzug der

Einfachheit, Klar-
heit und Beftimmt-
heit. Der Name
des Besitzers, der
ja doch bei diesen
stummen Gütern
des Eigenthums
praktisch diepaupt-
sache ist, tritt inrmer
deutlich und fest
hervor. Der bild-
liche Theil ver-
zichtetaufunnötige
Details, ist mehr
alsFlächenschmuck
als auf Raum-
wirkung angelegt.
Ganz bildmäßig
ist von den hier
mitgetheilten nur
dasjenige ausge-
führt, das den
Nanien „Julie
Kurzbauer" trägt;
aber wie einfach
ist auch hier, in-
haltlich und gegen-
ständlich, das reiz-
volle Bildchen der
beiden plaudernden Mädchen am Brunnen vor einer
Blauer, die mit künstlerischer Oekonomie den Hinter-
grund vereinfacht. — Auf den Beruf des Besitzers
scheint das pausmannfche Exlibris mit dem antiken
Kitharöden hinzudeuten (vgl. auch das des Münchner
Orchestervereins); andre enthalten Anspielungen auf
den Namen, im Sinn der „redenden Mappen", so
das mit dem den Sonnenaufgang ankündenden Hahn,
und das init der Mespe (Marie Mebsy). — Das
Acht der Erkenntniß, die Gluth der Begeisterung mit
zutheilcn, diesen edelsten Beruf des Buches, der Attera-
tur im Allgemeinen, deuten unzählige alter und
neuer Bibliothekzeichen an; so fehlt es an solchen
Symbolen auch bei den von Dasio entworfenen nicht


VON

Maxim Das 10

Buchtitel von Maximilian Dasio, München.
(‘/2 der wirkt, Größe.)

202
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