Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 28.1917

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Überladenes gibt es noch aus unserer Umgebung zu be-
seitigen, vom Buch und Tafelaufsatz bis zum Lehnsessel.
Diesen Reinigungsarbeiten dient die Kolonie, die frei und
ohne an etwas Vorhandenes anzuknüpfen ins Leben ge-
treten ist. Sie dient einer Baukunst, die von innen heraus
baut, die den Häusern eine Seele gibt statt ihnen seelen-
losen Schmuck anzukleben. Sie dient einer Denkmalkunst,
die mit einem guten Teil unserer Denkmäler aufräumen
würde, wenn sie ebenso zerstörend wie aufbauend wirken
könnte. Sie dient der Durchdringung des Lebens mit
künstlerischer Kultur auf allen Gebieten. Das zu fördern
wurden die jungen Künstler nach Darmstadt berufen.

Eine Festschrift zum Regierungsjubiläum des Großherzogs
von Hessen wird im Verlage von Kurt Wolff in Leipzig er-
scheinen, die durch die Mitarbeit hervorragender, dem
Großherzog und seinen künstlerischen Bestrebungen nahe-
stehender Persönlichkeiten einen Umriß der im Laufe der
vergangenen 25 Jahre in Darmstadt betätigten und von
dort angeregten künstlerischen Arbeit zu geben beabsichtigt.
Das reich illustrierte Werk wird Veröffentlichungen über
unbekannte Kunstwerke aus dem Großherzoglichen Privat-
besitz und Äußerungen führender Darmstädter Künstler
enthalten, deren Schaffen durch besondere Beigaben ge-
zeigt wird. Unter den Mitarbeitern befinden sich Ober-
bürgermeister Dr. Gläßing, Museumsdirektor Geheimrat
Dr. Back, Intendant Dr. Eger, Felix von Weingartner, Prof.
Uhde-Bernays, Dr. Paul F. Schmidt u. a., und aus der
Künstlerkolonie Albin Müller, Bernhard Hoetger, Edmund
Koerner, Hanns Pellar, Fritz Oßwald, Christian Heinrich
und Friedrich Wilhelm Kleuckens.

Zum Regierungs - Jubiläum des Großherzogs von
Hessen hat die Hofkunstpräge-Anstalt von B. H. Mayer
in Pforzheim eine Medaille anfertigen lassen, die dem
Großherzog überreicht worden ist. Sie hat die Anerkennung
des Fürsten gefunden und sie verdient sie, denn der im
Profil genommene Kopf des Großherzogs ist sehr ähnlich
modelliert und von feinster Durcharbeitung der Züge. Es
kam dem Künstler auf lebendige Erfassung des Kopfes,
auf Ähnlichkeit, nicht auf Stilisierung an. Die Rückseite
der in mattem Silber ausgeführten Medaille zeigt eine
breitausladende Eiche, in deren Zweigen das hessische
Wappen hängt, ein nackter Knabe mit Schild und Schwert
reicht einen Lorbeerzweig zum Wappen empor. Ein Spruch-
band trägt die Worte: »Im Kriege das Schwert, im Frieden
die Kunst«. Im Hintergrunde taucht das Stadtbild von
Darmstadt auf.

AUS DEN VEREINEN

Berlin. Dem neugegründeten deutschen Verband tech-
nisch-wissenschaftlicher Vereine gehören folgende Vereine an:
Verein deutscher Ingenieure, Verband deutscher Architekten-
und Ingenieur-Vereine, Verein deutscher Eisenhüttenleute,
Verband deutscher Elektrotechniker, Verein deutscher Che-
miker, Schiffbautechnische Gesellschaft als die Gründer des
Vereins. Ferner sind ihm beigetreten: der deutsche Verein
von Gas- und Wasserfachmännern, Verein deutscher Straßen-
und Kleinbahnverwaltungen, Verein der Zellstoff-und Papier-
Chemiker, wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt, Ge-
sellschaft deutscher Metallhütten- und Bergleute. Der Vor-
stand des Verbandes setzt sich zusammen aus dem ersten
und zweiten Vorsitzenden Geh. Reg.-Rat Prof. Dr.-Ing.
Busley in Berlin und Baurat Dr.-Ing. Taaks in Hannover,
dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Dr. Diehl, Berlin-
Lichterfelde, den Beisitzern Prof. Klingenberg und Geh.
Oberbaurat Saran in Berlin und Kommerzienrat Dr.-Ing.
Springorum, Dortmund. Dem Vorstand ist ein Vorstands-
rat angegliedert, dem zurzeit elf von den beteiligten Vereinen
auf die Dauer von drei Jahren gewählte Abgeordnete und

30 lebenslängliche Mitglieder — darunter die derzeitigen
Mitglieder des Vorstandes — angehören.

Berlin. Der Verband der Damenmode und ihrer In-
dustrie hielt kürzlich in seinen Räumen, Friedrichstraße 61,
seine ordentliche Mitgliederversammlung unter dem Vor-
sitz seines Präsidenten, Herrn Hermann Freudenberg, ab.
Das königlich preußische Handelsministerium, die Berliner
Handelskammer, die Ältesten der Kaufmannschaft, der
Deutsche Werkbund sowie eine Anzahl industrieller Ver-
bände hatten Vertreter gesandt. Der Verlauf der Sitzung
ergab vollkommene Übereinstimmung aller beteiligten Kreise.
Es wurde anerkannt, daß die deutsche Modeindustrie, die
der Krieg ganz unvorbereitet getroffen habe, in den letzten
zwei Jahren recht bedeutende Fortschritte gemacht und ihr
Ansehen bei den Käufern des In- und Auslandes sehr ge-
stärkt habe. Leider müsse festgestellt werden, daß die
Käufer des neutralen Auslandes die Arbeiten unserer mode-
schaffenden Industrie höher einschätzen, als das deutsche
Publikum, das noch immer eine Ware erst für gut befindet,
wenn sie den Stempel des Fremden trägt. Es wurde von
allen Seiten zugestanden, daß der Verband eine wesentliche
Aufgabe für die Zukunft dadurch zu lösen hätte, daß er
das Publikum über die Leistungsfähigkeit der deutschen
modeschaffenden Firmen aufkläre. In den weiteren Erör-
terungen wurden auch noch andere Aufgaben des Verbandes
besprochen, unter anderem die gemeinschaftliche Arbeit von
Fachleuten und Künstlern sowie Fragen der künstlerischen
und handwerklichen Vorbildung. Auch für diesen Punkt
sagten alle interessierten Kreise ihre Mitarbeit zu, insbe-
sondere versprach Geheimrat Muthesius als Vertreter des
Handelsministers das lebhafteste Interesse der Regierungs-
stellen für die Tätigkeit des Verbandes.

Berlin. Zur einheitlichen Vertretung ihrer gemeinsamen
Interessen haben die Organisationen des Baugewerbes einen
»Wirtschaftsbund des Baugewerbes in Groß-Berlin« ge-
gründet. Zum erstenmale in Deutschland ist damit in der
Reichshauptstadt eine Vereinigung errichtet worden, welche
sämtliche Berufsgruppen des schaffenden Baugewerbes, be-
ginnend mit den Unternehmern, die den Baugrund herstellen
bis zu den Berufen, die sich mit der inneren Einrichtung
der fertigen Räume beschäftigen und einschließlich der
Erzeuger der Rohstoffe und der Lieferanten der Bau-
materialien jeder Art umfaßt. Zum Vorsitzenden des Bundes
wurde das Mitglied der Handelskammer Baumeister Heuer,
der Vositzende des Verbandes der Baugeschäfte von Groß-
Berlin, erwählt.

WETTBEWERBE

Der akademische Rat der Kgl. Kunstakademie zu
Dresden schreibt einen Wettbewerb unter sächsischen und
in Sachsen lebenden Künstlern aus, um Entwürfe für einen
Zierbrunnen auf dem Marktplatz in Mittweida zu erlangen.
Die näheren Bewerbungsbedingungen und ein Lageplan
können beim Pförtner der Dresdener Kunstakademie ent-
nommen oder auch eingesehen werden. Modellskizzen für
den gesamten Brunnen werden im Maßstab von 1:10 und
für etwaige besonders hervorzuhebende figürliche Teile im
Maßstab 1 : 5 verlangt. Die Namen der Urheber sind zu
nennen. Die Entwürfe sind an den Hausinspektor der
Kgl. Kunstakademie einzusenden bis Sonnabend den 14. April
1917 mittags 12 Uhr.

Auf dem Friedhofe Eichenhof zu Kiel soll eine Gedächt-
nisstätte (Ehrenfriedhof) für gefallene Krieger des ev. luth.
Parochialverbandes Kiel angelegt werden. Hierfür ist ein
Wettbewerb mit Frist zum 1. Mai d. J. ausgeschrieben,
offen für deutsche Architekten und Gartenkünstler, die in
Schleswig-Holstein ansässig sind. Dem Wettbewerbe sind
die Wettbewerbsbestimmungen des Verbandes deutscher

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