Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 28.1917

Page: 137
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstgewerbeblatt1917/0171
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
SSS3SSSCSSSSSSSOS3S3S3S21

S3SSS33S=£SS

•^g.»«a.nj^;Tae^;«,'»'.i.-u.ri?.Tj<r*s

KLWSTGEWERBEBLATT

NEUE FOLGE (£H 916/17 TS2 8-JAHRGANG

PFHAk'TinW- FRITZ HELLWAO IN
I\1-L»/\I\. 1 1W1X. BERLIN-ZEHLENDORF-
WANNSEEBAHN • TELEPHON: ZEHLENDORF 522

\/FDI Af~i« E. A. SEEMANN IN LEIPZIG,
V Lt\L/\\J. HOSPITALSTR. 11t • TEL. 244

HEFT 8
MAI

VEREINSORGAN ÄKSSE

BERLIN, DRESDEN, DÜSSELDORF, ELBERFELD,
FRANKFURT A. M., HAMBURG, HANNOVER, KARLS-
RUHE I. B., KÖNIGSBERG I. PREUSSEN, LEIPZIG,
MAGDEBURG, PFORZHEIM UND STUTTGART aaea

Eine Straße in Söul

Aus: Hamilton, Korea, Leipzig, Otto Spanier, 1904

REISESTUDIEN

VI. DIE JAPANER IN KOREA

WER offenen Auges in Japan reist, konnte
auch in Friedenszeiten neben dem Volkstum
und den Kunstschätzen den politischen Pro-
blemen nicht aus dem Wege gehen. Der leidenschaft-
liche Drang nach Ruhm, Länderbesitz und Handels-
macht durchglüht die Seele des Adligen wie des
Bauern und äußert sich offen oder versteckt im Ver-
kehr auch mit dem Fremden. Ich kam in die Mo-
nate des drohenden Konfliktes mit Amerika. In den
Vereinigten Staaten hatte ich eben die heftigen De-
batten über die japanische Einwanderung an der West-
küste erlebt, den kühnen Widerstand des mutigen Gou-
verneurs von Kalifornien, Johnson, und die versöhn-
liche Haltung der Bundesregierung in Washington.
Die Lage sah sich verschieden an im japanfernen

Kunstgewerbeblatt. N. F. XXVIII. H. 8.

— 1

Osten und im arg gefährdeten Westen. Hier gewann
ich den ersten Eindruck von der bewundernswerten
Zähigkeit jener Rasse: wie sie in Scharen zuziehen,
sich als bescheidene Arbeiter auf den Obst- und Ge-
müsepflanzungen unentbehrlich machen, nach und
nach Eigentum erwerben, geläufig englisch sprechen
lernen, ihre Kinderscharen in amerikanische Schulen
und Bibliotheken schicken und doch ein Volkskörper
ganz für sich bleiben, der mit den Weißen nicht ver-
wachsen will und niemals verwachsen wird. Am un-
heimlichsten schienen sie auch dem fremden Beobachter
in Honolulu, wo die vielen Tausende unter fried-
lichem Äußeren offensichtlich die künftige Eroberung
vorbereiten. Ich glaubte auch diese Seite japanischen
Wesens nicht übergehen zu dürfen und wählte des-

20
37 —
loading ...