Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 28.1917

Page: 211
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Wettbewerb des Badischen und Elsaß-Lothringer Kunstgewerbevereins

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Links:
Emil Noll, Hildesheim, angekauft

Rechts:
Philipp Peter, Schillersdorf, angekauft



VIVATBÄNDER

UNTER den patriotischen Mitteln, welche der großen
friderizianischen Zeit zu Preis und Lob gerecht zu
werden suchten, gehörten mit in erster Linie die
Vivatbänder, die heute als historische Erinnerungszeichen
jener gewaltigen Zeit äußerst selten geworden sind und
wohl nur noch vorwiegend in unseren Museen angetroffen
werden. Zunächst sei eine Erklärung des Wortes »Vivat-
band« vorausgeschickt. Es war die Zeit, als die Helden-
taten Friedrichs des Großen, der mit seinem Volk Seite
an Seite siegreich gekämpft hatte, die Welt in Staunen und
Bewunderung versetzte und wo man dem großen König
zu Ehren Siegesbänder webte, die meist die Worte »Vivat
Fridericus Magnus!« Es lebe der große Friedrich! enthiel-
ten. Diese buntfarbigen Seidenbänder entstanden aus den
gewaltigen Ereignissen des schlesischen Krieges heraus;
man trug diese Vivatbänder als vaterländischen Schmuck
an Sieges- und Friedensfesten, ähnlich wie sich unsere Zeit
der Schärpen, Schleifen, Wappen oder Fähnchen bedient.

Die Vivatbänder waren meist bedruckt, gelegentlich auch
bestickt oder bemalt mit den Porträts Friedrichs des Gro-
ßen, des Prinzen Heinrich und des Herzogs Ferdinand von
Braunschweig; man zierte weiter diese Bänder mit Wappen,
Namenszügen, Versen, Inschriften und allegorischen Dar-
stellungen. Da das Material dieser Bänder, Seide, verhältnis-
mäßig vergänglich ist, so ist nur eine geringe Zahl dieser
in der friderizianischen Zeit zu Tausenden verbreiteten Vivat-
bänder auf uns gekommen; man kennt gegenwärtig nicht
mehr als dreihundert solcher Vivatbänder. Kleinere Samm-
lungen sind vorhanden im Berliner Hohenzollern-Museum
und Märkischen Provinzial-Museum zu Berlin, ferner im
v Braunschweiger und Krefelder Museum. Privatsammlungen
sind kaum vorhanden; eine einzige, die von Regierungs-
rat G. G. Winkel mit 70 Bändern, ist allerdings sehr be-
deutend.

Die ersten und somit ältesten Bänder sind in Form und
Ausstattung äußerst einfach; die spätere Zeit hat dann viel-

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