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Martin, Rudolf
Lehrbuch der Anthropologie in systematischer Darstellung: mit besonderer Berücksichtigung der anthropologischen Methoden ; für Studierende, Ärzte und Forschungsreisende ; mit 460 Abbildungen im Text, 3 Tafeln und 2 Beobachtungsblättern — Jena, 1914

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https://doi.org/10.11588/diglit.37612#0226
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204

Somatologie.

sein. Eine Handapotheke ist unerläßlich. Kleine medizinische Hilfe-
leistungen können dem Reisenden oft von größtem Nutzen sein. Geld,
Tauschwaren und Geschenke richten sich natürlich ganz nach der
Gegend; sie sind stets reichlich mitznnehmen.

C. Aügemeine Körperform.
I. Allgemeines.
Der menschliche Körper unterscheidet sich von demjenigen der
niederen Säuger, im besonderen der übrigen Primaten durch eine große
Reihe von Merkmalen, die den verschiedensten Organsystemen an-
gehören und die in den folgenden Abschnitten im einzelnen behandelt
werden.
Hier kann nur auf die hauptsächlichsten morphologischen Charak-
teristika der menschlichen Körper form aufmerksam gemacht
werden, die in dem aufrechten Gang, der mächtigen Entwicklung des
Gehirnes und in der relativen Nacktheit der äußeren Körperbedeckung
bestehen. Die Entwicklung dieser Merkmale reicht, wie Ontogenie
und vergleichende Anatomie lehren, weit in die Stammesgeschichte
der Hominiden zurück.
Wie bei allen höheren Tieren tritt auch die menschliche Form
in sexueller Differenzierung auf. Die Unterschiede werden
als primäre und sekundäre Geschlechtsunterschiede be-
zeichnet. Unter den ersteren versteht man die geschlechtlich dif-
ferenzierten Keimdrüsen samt ihren Ausführungsgängen und die ent-
sprechend umgebildeten äußeren Geschlechtsteile. Die sekundären
Geschlechtsmerkmale sind mannigfacherer Art, teils morphologisch
deutlich sichtbar, teils nur durch histologische Untersuchung nach-
weisbar. Es stellen auf diese Weise Mann und Weib bei allen mensch-
lichen Rassen zwei spezifische, in ihrer Art vollkommene und durchaus
gleichwertige Ausprägungsformen ein und desselben Rassentypus dar,
auf deren Verschiedenheit stets Rücksicht genommen werden muß.
Infolgedessen ist es auch unrichtig, von dem einen Geschlecht zu be-
haupten, daß es die Rassencharaktere besser zum Ausdruck bringe als
das andere.
Die sekundären Unterschiede entwickeln sich zum Teil schon
embryonal, vermehren sich nach der Geburt, erfahren während des
Wachstums eine beständige Steigerung und erreichen ihre vollendete
Ausprägung nach dem Eintritt der Pubertät. Gelegentlich treten sie
auch erst mit der Entwicklung der sexuellen Funktion hervor. Mehrere
derselben bilden sich beim Aufhören dieser letzteren zurück, verändern
sich bei Erkrankungen der primären Geschlechtsorgane oder ver-
schwinden bei künstlichen Eingriffen (Kastration). Diese Tatsachen
dürfen gerade als ein Beweis ihres innigen Zusammenhanges mit den
Geschlechtsdrüsen und der Geschlechtsfunktion angesehen werden.
Auch in der physiologischen Entwicklung, d. h. im Wachstum, bestehen
sexuelle Differenzen. Der Durchbruch der Schneidezähne und der
vorderen Backenzähne z. B. tritt bei Knaben um 6 resp. 9 Monate
früher ein als bei Mädchen (BoAs und WissLEn), und die Ossifikation
des Os naviculare manus und des Os multangulum majus erfolgt bei
 
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