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Martin, Rudolf
Lehrbuch der Anthropologie in systematischer Darstellung: mit besonderer Berücksichtigung der anthropologischen Methoden ; für Studierende, Ärzte und Forschungsreisende ; mit 460 Abbildungen im Text, 3 Tafeln und 2 Beobachtungsblättern — Jena, 1914

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https://doi.org/10.11588/diglit.37612#0497
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111. Abschnitt.

Kraniologie.
A. Kraniometrische Technik.
1. Allgemeine Bemerkungen.
Der Zweck der Ivraniometrie ist, die Form des Schädels der
Hominiden und der übrigen Primaten mit Hilfe exakter Meßmethoden
so genau kennen zu lernen, daß Uebereinstimmungen und Unterschiede
zwischen größeren und kleineren Gruppen zahlenmäßig festgelegt
werden können. Dabei ist stets auf die natürliche Gliederung des
Schädels Rücksicht zu nehmen, da die absolute und relative Aus-
bildung, sowie die räumliche Ausdehnung der einzelnen Teile von
sehr verschiedenen Faktoren abhängig ist. So ergibt sich zunächst
eine Scheidung in zwei genetisch, morphologisch und funktionell ver-
schiedene Abschnitte, in ein Neurocranium (Gehirnschädel) und in
ein Splanchnocranium (Gesichtsschädel). Wie sehr die beiden
Abschnitte voneinander unabhängig sind, zeigt sich besonders schön
in pathologischen Fällen, wie bei Mikrokephalie, in denen die Gehirn-
kapsel im Wachstum stark zurückbleibt, während der Gesichtsschädel
seine normale Ausbildung erfährt. Innerhalb des letzteren wird man
am besten natürliche Untergruppen, wie Orbita, Nasenregion, Unter-
kiefer usw., machen und diese möglichst für sich getrennt beobachten.
Nach dieser natürlichen Gliederung richtet sich daher auch die Ein-
teilung der kraniometrischen Technik: sie behandelt zuerst die Mes-
sungen des Gehirnschädels, dann des Gesichtsschädels, erst am Schlüsse
folgen solche Beobachtungen, die den Schädel als Ganzes betreffen.
Der Umfang einer jeden kraniologischen Analyse wird
durch die Fragestellung bedingt. Handelt es sich nur um eine allge-
meine Charakteristik eines Schädels oder einer Gruppe von Schädeln,
so wird man sich mit den wenigen Messungen begnügen können, die
auf dem Beobachtungsblatt besonders hervorgehoben sind. Denn die
Erfahrung hat gelehrt, daß für eine solche allgemeine Charakteristik
zu viele Maßzahlen die Vorstellung und damit das Verständnis der
Form nur erschweren. Sollen aber Vergleiche mit nahverwandten
Formen angestellt, sollen sexuelle oder gar individuelle Differenzen
erkannt werden, so ist es notwendig, die Messungen bedeutend zu
vermehren. Denn je mehr Einzelheiten der Beobachtung und Messung
unterzogen werden, um so feiner wird die Analyse sein, um so leichter
werden Uebereinstimmungen und Verschiedenheiten deutlich. Für
solche Untersuchungen gibt es keine Schablone und keine Grenze.
Man betrachte daher das aufgestellte Beobachtungsblatt (vgl. die Bei-
 
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