Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 32.1989

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Neugriechisch und Griechischunterricht
Daß sich augenblicklich der 1. Vorsitzende des DAV bemüht, ,,dem Fach Neugrie-
chisch als Kurs in der Differenzierten Oberschule (wahrscheinlich Oberstufe) und als
Arbeitsgemeinschaft neben dem Altgriechischen eine Existenzmöglichkeit zu verschaf-
fen", wird ihm Zustimmung und Dank aller Fachkollegen einbringen, die dies schon
geraume Zeit versuchen oder versucht haben.
Zusammen mit zwei Kollegen (Rambadt-Mari und Schulze Schwering-Bocholt) aus
den nordrhein-westfälischen Regierungsbezirken Arnsberg und Münster hat Flans
Werner Schmidt seiner Zielsetzung entsprechende Versuche unternommen und dar-
über unter der von mir übernommenen Überschrift ,,Neugriechisch und Griechisch-
unterricht" berichtet^.
Er weist diese Versuche aus als solche von ,,Dilettanten und Autodidakten", welche
versuchen, zur Vermittlung des Neugriechischen ,,den einen oder anderen Bereich
anzugehen".
Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß für das Schuljahr 1985/86 — dem Berichtsjahr
über den Versuch — (und früher) im Philologenjahrbuch Landesausgabe Nordrhein-
Westfalen Schuljahr 1985/86, Köln und Münster kein Lehrer der Alten Sprachen oder
eines anderen Fachs mit der Lehrbefähigung für Neugriechisch zu finden ist, obwohl
bereits an einigen Universitäten Byzantinistik und neugriechische Philologie zum
Lehrangebot gehören. Entsprechende Unterlagen aus anderen Bundesländern fehlen
mir; sollten die Verhältnisse dort besser sein und bereits Erfahrungen mit einem Unter-
richt durch qualifizierte Lehrer vorliegen, läge deren Berücksichtigung bei der von
F1.W. Schmidt vorgesehenen Erstellung von Richtlinien für Nordrhein-Westfalen nahe.
Doch haben bisher auch ohne Lehrbefähigung einige Lehrer der Alten Sprachen durch
längere Aufenthalte in Griechenland vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg als Leh-
rer an deutschen Auslandsschulen oder Niederlassungen der Akademie für Deutsche
Sprache (heute Goethe-Institut), als Austauschstudenten oder Soldaten beachtliche
Kenntnisse des Neugriechischen erworben und sind in Einzelfällen als Übersetzer neu-
griechischer Literatur tätig geworden. Doch weiß ich nicht, ob und wie weit sie —
auch wenn sie mir bekannt waren — diese Kenntnisse in ihren Griechischunterricht
eingebracht haben.
Zu fragen ist nämlich, ob bisher von Gymnasien Anregungen ausgegangen sind, sich
mit dem Neugriechischen oder wenigstens dessen Aussprache zu befassen. Mir ist ei-
ne solche Anregung bekannt, die an anderer Stelle folgen soll. Deshalb wirkt es be-
drückend, wenn — wie erlebt — auf Studienreisen sonst durchaus verdiente und teil-
weise leitende Schulmänner jede Beschäftigung mit dem Neugriechischen abgelehnt
und interessierte Fachgenossen mitunter noch verletzend behandelt haben. Darüber
kann man sich heute nur noch wundern, weil bestimmte Umstände zur Beschäftigung
mit dem Neugriechischen veranlassen können. So berichtet Jürgen Rambadt, einer von
Schmidts Mitarbeitern, wie es ihm dabei erging. Als einziger und damals noch nicht
verwendbarer Vertreter des Faches Griechsich an einem Neusprachlichen Gymnasium
sollte er das Schreiben eines Griechen an das Schulverwaltungsamt ins Deutsche und
die Antwort des Amtes ins Neugriechische übersetzen. Die erste Aufgabe löste er mit
einiger Mühe, die zweite lehnte er ab mit der Begründung: ,,lch habe nur Altgriechisch

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