Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 32.1989

Page: 67
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He/mut Storch betritt einen etwas abgelegenen Bereich in seinem Essay „Aphroditische Humani-
tät"; er versucht, den Begriff Humanität religiös am Aphrodite-ZVenuskult festzumachen; trotz
philologischer und interpretatorischer Anstrengung bleibt das Ergebnis etwas unbefriedigend, es
trägt jedoch dazu bei, den humanitas-Begriff unter einem neuen Aspekt zu betrachten.
Stephan Hopps theoretische Erörterung des Problems ,,Wie politisch darf Bildung sein?" ist nicht
für eine unmittelbare Umsetzung in den Unterricht gedacht; er bringt eine Analyse der bildungs-
politischen Vorgänge im deutsch-österreichischen Raum während des 18./19. Jhts., die besonde-
ren Wert auf das Gebiet der Zeitungslektüre legt. Für den pädagogischen Horizont des Lehrers ei-
ne wertvolle Erweiterung.
Dieter Lohmann unterzieht Horaz, c. III 2, einer neuen Interpretation, die das umstrittene und
sich schwer in den Rahmen der,Römeroden' fügende Gedicht in einer ganz anderen Perspektive
sehen läßt, so daß sich auch das Verständnis des folgeschweren Satzes in diesem Gedicht ,,Du!ce
et decorum est pro patria mori" nicht halten läßt. Ironische Distanz ist auch hier am Werke. Die
wissenschaftlich überzeugende neue Deutung, die auch das Problem des angemessenen Über-
setzens in den Blick bringt, kann dazu führen, dem zuletzt gemiedenen Gedicht auch in der
Schule wieder den Weg zu ebnen.
Dietrich und Mariefta Großer geben in ihrem Aufsatz ,,Elementarteilchen - von Demokrit bis heu-
te" einen guten Überblick über die Entwicklung der modernen Atom- und Quantenphysik sowie
einen Ausblick auf mögliche Tendenzen. Dieser Teil ist ebenso wie die relativ übersichtliche Ein-
führung in die Vielfalt der Elementarteilchen als Hintergrundinformation für den Lehrer empfeh-
lenswert.
Das Uhlandgymnasium in Tübingen, seit der Humanistenzeit auch „Schule zum
Sonnenaufgang" genannt, sendet in dieser Jubiläumsschrift in der Tat sonnenhaft Blitzlichter des
Geistes aus, die sich in der Person Hermann Steinthals wie in einem Brennpunkt vereinen. Ein
echtes Zeugnis der Freundschaft und des Dankes für geleistete Arbeit, zugleich eine feinsinnige
Form der Gratulation, der sich auch die Vertreter des DAV in Überzeugung und vollen Herzens
anschließen möchten.

FRIEDRICH MAIER

Hinweise und Mitteiiungen

1. Am 15. Juli 1989 wurde der 1. Beriiner Schüierwettbewerb „Lebendige Antike" mit einer
Ausstellung der eingereichten Arbeiten und der Preisverleihung erfolgreich abgeschlossen. Der
Wettbewerb war im Januar von der Senatsverwaltung für Schulwesen in Zusammenarbeit mit
dem Landesverband Berlin des Deutschen Altphilologenverbandes ausgeschrieben worden. Die
Aufgabenstellung sollte sich deutlich von unterrichtsüblichen Arbeitsweisen (Referaten, Klausu-
ren usw.) unterscheiden. Es galt, wie es im Ausschreibungstext hieß, „eine beliebige Sage nach
einem lateinischen Text in einer anderen literarischen oder künstlerischen Gattung wiederzuge-
ben". Der lateinische Text konnte „von einem antiken Autor oder aus einem modernen Lehr-
buch stammen oder auch von einem Lehrer oder Schüler verfaßt sein"; er mußte der Arbeit bei-

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