Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 32.1989

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7. Die Vermutung, daß bestimmte Züge auf,,schwächere Schüler" eine wesentlich
andere in Noten ablesbare Wirkung hätten als auf ,,gute" Schüler, bestätigte sich
ebenfalls nicht. Hierbei ist allerdings zu bedenken, daß unter den ,,schwächeren"
Schülern keine Repetenten waren.
8. Auch die Vermutung, daß der in Klasse 5 und 6 erzielte Notendurchschnitt eines
Zuges eine Prognose über ein Aufwärts oder Abwärts zum Abitur hin erlaube, be-
stätigte sich nicht: Es ergaben sich mehrere ,,Zugpaare", die - alle Leistungsstufen
zusammengenommen - bei fast gleichem Anfangsdurchschnitt begonnen hatten
und am Ende der Cymnasialzeit auf z.T. weit auseinanderliegenden Plätzen anka-
men, so
- LAT./ENCL./GRIECH. mit MUSIKZUG ENGL./LAT., Differenz im Abitur: gut 3
Zehntel
- LAT./ENGL./FRANZ, mit ENGL./LAT./FRANZ., Differenz im Abitur: gut 2 Zehn-
tel;
- LAT./ENGL. MATH.-NAT. mit MUSIKZUG ENGL./FRANZ., Differenz im Abitur:
gut 4 Zehntel.
Als Fazit läßt sich bei aller Vorsicht wohl zumindest zweierlei festhalten: Zum einen:
Die alte Überzeugung, daß gerade grundständiges Latein zur Förderung des geistigen
Vermögens beitragen kann, hat durch diese Untersuchung eine Stütze erhalten. - Zum
anderen lenkt die Untersuchung das Augenmerk erneut auf die z. Zt. geradezu fremd-
sprachenfeindliche Handhabung des Numerus clausus: Das Erlernen einer weiteren
Fremdsprache erhöht die Schwierigkeit, einen guten Abiturdurchschnitt zu erreichen
(vgl. Aussage 3). Wenn es zutrifft, daß durch das Erlernen einer zusätzlichen Fremd-
sprache eine zusätzliche Qualifikation erworben wird, dürfte bei der Bezifferung der
Gesamtqualifikation die Zahl der erlernten Fremdsprachen nicht außer acht gelassen
werden.
DR. HELMUT MEISSNER, Hubstr. 16, 6909 Walldorf

,Randscharf' und ,kernprägnant', die fuzzy sets und die Grammatik
,,Der Gebildete treibt die Genauigkeit nicht weiter, als es der Natur des Gegenstandes
entspricht." So übersetzt der Biologe Bernhard Hassenstein einen Satz aus der Niko-
machischen Ethik des Aristoteles (I 1) in einem Vortrag mit dem Titel: ,,Wie viele Kör-
ner ergeben einen Haufen?"ü Diese Fangfrage des Eubulides von Megara zielt auf die
Definition von Begriffen. Eine solche ist hier im Sinne einer strikten Abgrenzung nicht
möglich; denn zwischen den Begriffen ,Haufen' und ,Nicht-Haufen' besteht ein flie-
ßender Übergang, und jede Grenzziehung wäre willkürlich. Auf solche kontinuierli-
chen Übergänge stößt der Biologe auch bei gegensätzlichen Wortpaaren wie
Pflanze/Tier, Tag/Nacht, Jugend/Alter, Leben/Tod.
Die Mengenlehre und der Computer führten seit 1965 (L. A. Zadeh USA) zur Erstellung
einer Theorie für die fuzzy sets, die unscharf begrenzten Mengen^. Diese gibt es außer
in der Biologie in vielen Wissenschaftsbereichen, insbesondere in solchen, die sich mit

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