Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 32.1989

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U. ROSNER untersucht ,,Die Römer als Ordnungsmacht in Gallien. Zu Caesar, Bellum Gallicum
VI 11 - 24" und deutet den Gallier- und Germanenexkurs - auf der Grundlage einer inhaltlichen
und formalen Analyse - ,,als zentralen Bestandteil eines apologetischen Konzeptes, mit dem Cae-
sar sowohl die Berechtigung und Notwendigkeit römischer Herrschaft in Gallien wie auch die
Entbehrlichkeit der Unterwerfung Germaniens zu erweisen sucht." — H.-J. GLÜCKLICH unter-
scheidet ,,Gute und schlechte Triebe in Sallusts ,Cati!inae coniuratio'". Der Beitrag versucht,
,,der Komplexität des Werkes ebenso gerecht zu werden wie seinen einzelnen Teilen, der Not-
wendigkeit eines Gesamtüberblicks ebenso wie der Beschränkung der Lektüre auf eine Auswahl.
Dazu wird das Thema ,Gute und schlechte Triebe' in den einzelnen Abschnitten des Werkes un-
tersucht" und als ,,Leitlinie des Werkes" herausgestellt. Schließlich wird daraus auch eine Be-
gründung der schulischen Sallust-Lektüre gewonnen. Dem heutigen Leser wird als ,,erster An-
satz" empfohlen, ,,Sallusts Forderungen an Politiker kritisch zu prüfen. Seine Warnung vor ein-
seitiger Verteufelung und seine Mahnung, persönliche Entscheidungen für eine geistig bestimmte
willentliche Haltung gegen egoistische Triebe einzunehmen, werden weder bestritten noch wi-
derlegt werden können, ja sogar auf Zustimmung stoßen. Ein zweiter Schritt könnte zu der Ein-
sicht führen, daß nur die Teilnahme an der politischen Willensbildung eine aktive demokratische
Haltung ist." — A. DIHLE behandelt ,,Tacitus' ,Agrico!a' und das Problem der historischen Bio-
graphie". Nach Auffassung des Autors ist es ,,woh! nicht unangemessen, wenn man den ,Agrico-
!a' des Tacitus als früheste historische Biographie im Sinne der neueren Geschichtsschreibung
bezeichnet". Er weist darauf hin, ,,daß in der Antike die Biographie geschichtlich bedeutsamer
Personen erst ganz spät zur anerkannten Form der Geschichtsschreibung geworden ist. In Mittel-
alter und Neuzeit galt und gilt hingegen die Lebensbeschreibung eines großen Mannes als legiti-
me historiographische Darstellung einer Epoche." Der Beitrag will zeigen, ,,wie und vor allem
unter welchen Zeitumständen Tacitus die Biographie zu einem Medium der Geschichtsschrei-
bung machte." — M.v. ALBRECHT betrachtet ,,Die Gedankenwelt des Tacitus zwischen Tradi-
tion und Zukunft". Im Denken des Tacitus bestehe ,,eine tiefe Kluft zwischen der theoretisch bei-
behaltenen Ideologie der römischen Republik und der so andersartigen Realität des Prinzipats.
Zwei mögliche Lösungen bieten sich an: der offene Konflikt zwischen den Repräsentanten der al-
ten virtus und dem Princeps oder die Anpassung der Wertvorstellungen an die Gegebenheiten ei-
ner gewandelten Zeit. Tacitus erkennt und beschreibt beide Wege. ... Er analysiert die unterge-
hende Epoche mit kriminalistischem Scharfblick und entdeckt zugleich die Zeichen einer neuen
Zeit." Entsprechend betrachtet der Autor zunächst ,,die Zeit- und Standesgebundenheit im Den-
ken des Tacitus" und dann (nach den entscheidenden Erfahrungen) ,,die neuen Ansätze, die ihn
darüber erheben", also „Wesentliche Aspekte taciteischer Analyse". Die von v. Albrecht gebote-
ne Überschau ist, wie der Herausgeber in der Einführung bemerkt, ,,gerade in einer Situation
wichtig, in der im Lateinunterricht nur wenig Zeit für die Tacitus-Lektüre bleibt und sie auf relativ
wenige Kapitel eines seiner Werke bzw. auf einen thematischen Aspekt (. . .) reduziert ist." Die-
ser Aufsatz soll helfen,,,selbst bei der Lektüre nur weniger Kapitel die aus ihnen gewonnenen Er-
kenntnisse in einen Gesamtrahmen einzuordnen bzw. durch einen Gesamtrahmen in der richti-
gen Relation zu sehen." — H. MEUSEL interpretiert die Erzählung vom Zweikampf der „Horatier
und Curatier" unter Berücksichtigung des Kontextes des livianischen Werkes und gibt Hinweise,
wie man dem Rezeptionsprozeß dieses Motivs an „überschaubaren Ausschnitten" auch in der
Schule nachgehen könnte: Augustinus (civ. 3,14), Macchiavelli, Tragödie und Kleinepos, die
Fresken des Konservatorenpalastes (G. Gesari), die Stuckreliefs im Schloß Weikersheim (J. u. H.
Kuhn), das Gemälde von Jacques-Louis David (1785), Bertolt Brecht (1935). — In der Rubrik fin-
den sich ein Projektvorschlag von M. DREWS zum Thema „Lateinische Sentenzen" und einige
Buchbesprechungen von G. VEIT zum Bereich „Die Römer in Germanien".
Heft 6/88 (verantwortlich: H.SCHAREIKA) ist dem Komplex „Grammatik-Semantik-Textverste-
hen" gewidmet. „Sprachunterricht muß die Regeln der semantischen Prozesse berücksichtigen,
auf denen ,Meinen und Verstehen' basieren", schreibt der Herausgeber in der Einführung.

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