Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 32.1989

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hilft dem Lehrer, seinen Unterricht schülergerechter zu organisieren und verständli-
cher zu formulieren). Wichtig erscheint es daher, nicht nur rein additiv Formen abzu-
fragen, sondern den Schülern auch so oft wie möglich eine durchdachte Progression
bei den Aufgabenstellungen deutlich werden zu lassen. Komplexere Aufgabenstellun-
gen (wie z.B. die Übersetzung längerer Satzgefüge oder Textpassagen) eignen sich je-
doch kaum für den Tandembogen: hier erscheinen andere, gewohnte Verfahren sinn-
voller. In dem hier vorgestellten Beispiel (Relativpronomina) wurde z.B. bewußt auf
kontextuelle Übungen verzichtet (kleine Ausnahme: Aufgabe 12), um zunächst die
Kenntnis der isolierten Formen und die grammatische Begrifflichkeit zu festigen. Über-
setzt werden sollten in diesem Fall z.B. nur einige Formen, die den Schülern der be-
troffenen Lerngruppe von ihren Deutschkenntnissen her Schwierigkeiten bereiten
(vgl. Aufgaben 7, 10 und 11). Weitere Übersetzungen (z.B. auch die Substitution des
aufgeführten Übersetzungsvorschlages ,,welcher, welche, welches" durch das häufi-
gere ,,der, die, das") lassen sich natürlicher und einsichtiger an Textbeispielen erarbei-
ten. Das Exempel in Aufgabe 12 soll und kann nur auf wesentliche, bereits im Unter-
richt behandelte Gesetzmäßigkeiten hindeuten, aber nicht vertiefende kontextuelle
Übungen ersetzen. Überhaupt erhält ein Tandembogen bereits durch den auf einer
DIN A4-Seite nur begrenzt vorhandenen Platz seine Beschränkung, - und eine solche
partnerbezogene Übung sollte auch nicht eine ganze Übungsstunde, sondern nur eine
kurze Phase umfassen.
Freilich kann auch ein Tandembogen nicht in jeder Stunde Verwendung finden und
sollte selbst im Anfangsunterricht nicht die alleinige Variante partnerbezogener Arbeit
sein. Vielleicht werden kritische Leser zudem anmerken, daß bei einem solchen Ar-
beitsbogen die Lehrerkontrolle, wenn auch eher indirekt, immer noch stark vorhan-
den ist, - dies ist jedoch an sich im grammatischen Anfangsunterricht nicht als etwas
Schlechtes anzusehen. (Der Einsatz von Tandembögen, die Schüler entworfen haben,
mag auch diesen Vorwurf übrigens etwas mildern.) Überdies läßt sich die Form des
Tandembogens bei zunehmender Vertrautheit mit seiner Handhabung auf Schüler-
wie Lehrerseite abwandeln, - so können z.B. sowohl Spalte A als auch Spalte B Fragen
und Lösungen enthalten: es ergäbe sich dann ein Ping-Pong-Effekt, wobei sich die Fra-
gesteller ständig abwechselten und die Bezeichnung ,,Tandem" eine noch größere
Berechtigung für diese Arbeitsform erhielte.
Dies mag als erster Hinweis auf eine mögliche Übungsform für den altsprachlichen
Unterricht mit partnerbezogenem Charakter genügen (lektionsbezogene Tandembö-
gen könnten übrigens auch Lehrbuchherausgeber in ihren Lehrerhandreichungen zur
Verfügung stellen), - ich bin sicher, daß vielen Kollegen noch etliche Verbesserungs-
vorschläge und sinnvolle Varianten einfallen werden.
FRIEDRICH KLEIN, von-der-Goltz-Str. 19, 4600 Dortmund

Literaturhinweis:
i Heloury, Michdle. ,,Partnerarbeit mit dem Tandembogen. Vorschläge für den Französischun-
terricht." PRAXIS DES NEUSPRACHLICHEN UNTERRICHTS 30 (1983), S. 172 - 178. Der Tan-
dembogen erfüllt im Französischunterricht allerdings weitergehende Funktionen als in der hier
für den altsprachlichen Unterricht vorgestellten Adaption.

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