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Lorke, Ariane; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg [Contr.]
Kommunikation über Kirchenreform im 11. Jahrhundert (1030-1064): Themen, Personen, Strukturen — Mittelalter-Forschungen, Band 55: Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2019

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https://doi.org/10.11588/diglit.54853#0311
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310

VI Kirchenreformer in der Mitte des 11. Jahrhunderts

3. Als unzureichend wird dagegen eine alleinige Anwesenheit auf Synoden
definiert,1494 die sich mit reformerischen Fragen auseinandersetzten, da
aufgrund der schlechten Überlieferungslage zumeist kaum Quellen zur Er-
schließung des Verhandlungsganges und damit individuellen reformeri-
schen Engagements der Synodalen vorliegen. Ebenso unzureichend ist ein
erst nach dem Untersuchungszeitraum offenbar werdendes Reformenga-
gement, sofern es nicht durch Quellenmangel für die Zeit Heinrichs III. be-
dingt ist.1495
4. Der Nachtrag zum Katalog umfasst Personen, welche die Kriterien nicht zur
Genüge erfüllen, obwohl sie in der Literatur teilweise als Reformer unter
Heinrich III. bezeichnet werden und zumindest Hinweise auf eine derzeit
nicht nachweisbare Reformtätigkeit vorhanden sind.
5. Weil Kommunikationsnetze keine abgeschlossenen Systeme darstellen, ist
eine Begrenzung der Personenaufnahme auch innerhalb der zeitlichen und
räumlichen Grenzen dieser Studie nötig. Die Artikel enthalten daher Hin-
weise auf weitere Reformer, die keinen Eintrag erhalten haben. Hier besteht
Potential für weitere Forschungen.
Der Aufbau des Kataloges orientiert sich an der zeitgenössischen Unterschei-
dung in Laien und Kleriker, wobei Letztere aufgrund der Vielzahl an relevanten
Personen einer weiteren Differenzierung bedurften. Sowohl hinsichtlich einer
guten Benutzbarkeit als auch angesichts der Heterogenität des Reichsepiskopats
in seinen reformerischen Zielsetzungen dienen die kirchlichen Weihegrade re-
spektive Ämter als Organisationsgrundlage. Dabei ist der höchste im Untersu-
chungszeitraum erlangte Weihegrad respektive das höchste Kirchenamt ent-
scheidend und wird in der Überschrift angeführt. Päpste werden unter Papst-
namen verzeichnet. Eine Übersicht zu Herkunft und Werdegang der Personen
enthält Tab. 1.
Grundlage der Zusammenstellung bilden über die oben vorgestellte For-
schung hinaus Einzelstudien zu Personen, Ereignissen und Prozessen sowie
wesentliche Quellen.1496 Die Literaturhinweise zu Beginn eines jeden Katalog-

1494 Aus diesem Grunde fand der auf fünf Synoden der Päpste Leo IX. (1049-1054), Viktor II. (1055-
1057) und Nikolaus II. (1058-1061) nachweisbare Bischof Hermann von Cittä di Castello keine
Aufnahme, vgl. Schwartz, Besetzung 1913, S. 279. Denn aus dem Beispiel des auf der Reimser
Reformsynode von 1049 vertretenen Bischofs Azelin von Hildesheim wissen wir, dass aus
Anwesenheit auf Reformsynoden nicht unbedingt auf reformerisches Engagement zu schließen
sein muss. Azelin ließ nämlich die vorbildliche vita communis seines Domkapitels zugrunde
gehen oder verschuldete sie gar selbst und fügte dem Stiftsgut außerdem massiven Schaden zu,
vgl. Goetting, Hildesheim 1984, S. 263-271.
1495 Der seit Februar 1056 mit Köln investierte Goslarer Propst Anno gehörte mit seiner Verbreitung
der fruttuarischen consuetudines ab den 1070er Jahren zu den Förderern der monastischen Er-
neuerung, wovon indes während der Regierungszeit Heinrichs III. noch nichts bekannt wurde,
vgl. Th. Schieffer, Anno II. 1980. Ähnlich verhält es sich mit Bischof Altmann von Passau, vgl.
Boshof, Altmann 1981.
1496 Ein vollständiges Quellenstudium ist sowohl in Anbetracht der zeitlichen und räumlichen
Grenzen vorliegender Arbeit als auch des Umfangs an Quellenmaterial nicht zu leisten: Für jede
 
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