Lorke, Ariane; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg [Contr.]
Kommunikation über Kirchenreform im 11. Jahrhundert (1030-1064): Themen, Personen, Strukturen — Mittelalter-Forschungen, Band 55: Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2019

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VI Kirchenreformer in der Mitte des 11. Jahrhunderts

VI.2.2 Weltgeistliche
VI.2.2.1 Adalbero, Bischof von Würzburg
Der in Würzburg ausgebildete Markgrafensohn Adalbero1682 entfaltete nach
seiner 1045 erfolgten Promotion zum Würzburger Bischof ein reges Engagement
für geistliche Gemeinschaften. So bestellte er 1047 den Gorzer Mönch Ekke-
bert1683 zum Leiter des Würzburger Eigenklosters Münsterschwarzach am Main
und ließ dem Konvent eine intensive finanzielle und materielle Förderung an-
gedeihen.1684 Hierfür sind vorherige Absprachen mit Abt Siegfried von Gorze
vorauszusetzen, von denen jedoch nichts Näheres bekannt ist. Ekkeberts er-
folgreiches Regiment übertrug Adalbero auch auf die Klöster Neustadt am Main,
St. Burkard in Würzburg sowie seines Vaters Gründung Lambach.1685 Und auch
das Würzburger Kollegiatstift St. Peter, Paul und Stephan besetzte Adalbero mit
Mönchen aus Münsterschwarzach, während die Kanoniker wohl in das 1057/58
errichtete Kollegiatstift St. Maria und Allerheiligen transferiert wurden.1686 Auf
Kontakte zu Reformern weisen die Freundschaften mit Gebhard von Salzburg
und Altmann von Passau, welche sich nach ihren Promotionen (1060 bzw. 1065)
als Förderer der vitci canonicci vel monastica erwiesen, sowie seine Anwesenheit auf
der Mainzer Synode 1049.1687 Wenngleich die Nachricht von einer gemeinsam
mit Abt Hugo von Cluny übernommenen Taufpatenschaft für den Sohn und
Nachfolger Heinrichs III. fragwürdig bleibt, so scheinen doch sehr enge Bezie-
hungen zum Kaiserhaus bestanden zu haben.1688 Als Anhänger gregorianischer
Reformideen wurde Adalbero indes 1085 auf der Mainzer Synode seines Amtes
enthoben und starb nach vergeblichen Versuchen der Rückkehr fünf Jahre später
im Rufe der Heiligkeit.1689

1682 Zu ihm vgL W. Goez, Bischof 1998; Finckenstein, Bischof 1989, S. 159f.; Zielinski, Reichsepi-
skopat 1984, S. 86, 99,147; Fleckenstein, Hofkapelle 2 1966, Register S. 301; Wendehorst, Bistum
1962, S. 100-117; ders., Bischof 1959-61. - Seine Ausbildung in Würzburg berichtet die Vita
Adalberonis Wirziburgensis 1, S. 129.
1683 Zu Ekkebert/Egbert vgl. G. Vogt, Egbert 1976/77.
1684 Vgl. Hochholzer, Münsterschwarzach 1998; Wendehorst, Bischof 1959-61, S. 149f.; Hallinger,
Gorze 1 1950, S. 318-398.
1685 Zu Neustadt und St. Burkard vgl. Hallinger, Gorze 1 1950, S. 335-344; zu Lambach Trinks,
Gründungsurkunden 1930; Hallinger, Gorze 1 1950, S. 329-334; generell Jäschke, Reformbe-
wegung 1970, S. 24f.
1686 Vgl. Wendehorst, Bischof 1959-61, S. 151f.
1687 Anwesenheit in Mainz erschlossen aus der Unterzeichnung von MGH Const. 1, Nr. 51, S. 99, Z.
19 (Privileg Papst Leos für Besangen). Zu den Kontakten zu Altmann und Gebhard vgl. Wen-
dehorst, Bistum 1962, S. 102.
1688 Allein Mariani Scotti chronicon, S. 564, Z. 3f. bezeichnete Adalbero als „patrinus" Heinrichs IV. -
Zielinski, Reichsepiskopat 1984, S. 87 mit Anm. 63 hielt eine Verwandtschaft zwischen Bischof
und Kaiser für durchaus möglich; Fleckenstein, Hofkapelle 2 1966, S. 260 glaubte an Adalberos
Mitgliedschaft in der Hofkapelle.
1689 Vgl. Wendehorst, Bischof 1959-61, S. 152-164.
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