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Lorke, Ariane; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg [Contr.]
Kommunikation über Kirchenreform im 11. Jahrhundert (1030-1064): Themen, Personen, Strukturen — Mittelalter-Forschungen, Band 55: Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag, 2019

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https://doi.org/10.11588/diglit.54853#0313
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312

VI Kirchenreformer in der Mitte des 11. Jahrhunderts

menhang vermutete Black-Veldtrup, dass insbesondere die kanonikale Armen-
fürsorge ein bedeutender Beweggrund für Agnes' vielfältige Güterschenkungen
und Förderung an Kanonikergemeinschaften gewesen sein könnten. Darauf
wiesen wohl zugleich das Nikolaus-Patrozinium sowie das der Maria Magda-
lena hin, welche viele der geförderten Stifte trugen und „in bestimmter, heute
aber nicht mehr nachvollziehbarer Weise mit der Kirchenreform in Zusam-
menhang gestanden haben" mussten.1504 Warum gerade Agnes Heinrich III. an
die Gottesfrieden herangeführt haben solle, wie Eggert postulierte, muss offen
bleiben.1505 Ihre Herkunft und die Beziehungen zu Cluny stellen keine ausrei-
chenden Argumente dar, ganz abgesehen davon, dass „sich die Friedensmaß-
nahmen Heinrichs ganz grundsätzlich von jenen der Gottesfriedensbewegung"
unterschieden, so Laudage.1506 Für die Reformierung des Diözesanklerus im
Sinne der Aachener Regel richtete sie nach Heinrichs III. Tod gemeinsam mit
ihrem Kapellan, dem Passauer Oberhirten Altmann, das St. Nikolastift bei Pas-
sau ein.1507 Nach ihrem Verzicht auf die Führung der Reichsgeschäfte und ihrer
finalen Übersiedlung nach Rom im Jahr 1065 lebte Agnes „als fromme Büßerin in
Rom, in enger persönlicher Verbindung zu dem Reformer Petrus Damiani" wie
auch Rainald von Como.1508 Dennoch übernahm die Kaiserinwitwe Aufträge der
Päpste Alexander II. und Gregor VII., darunter Legationsreisen nach Deutsch-
land.1509 Ab den 1060er und 1070er Jahren förderte sie zudem die monastischen
Reformen St. Blasiens und Fruttuarias, in dessen frciternitcis sie Aufnahme be-
gehrte.1510 Ein Eintrag zu Agnes findet sich im Kalender Bernolds von St. Blasien,
in welchem das Gedenken an die Reformer einen besonderen Platz einnimmt.1511

sing, St-Etienne in Besangen, den Kanonissenstiften Erstein, Elten, Obermünster in Regensburg
sowie den Kanonikerstiften St. Viktor in Xanten, St. Nikola in Passau, St. Paul in Besangen, St.
Marien in Aachen und schließlich im bayerischen St. Florian. Für Verdun steht dies zu vermuten
(ebd. S. 328f.).
1504 Ebd., S. 329-331.
1505 Eggert, Agnes 1990, S. 152.
1506 Das Zitat bei Laudage, Heinrich III. 1999, S. 135, Anm. 143.
1507 Vgl. Black-Veldtrup, Agnes 1995, S. 315, 319-323; Boshof, Altmann 1981.
1508 Vgl. Struve, Romreise 1985, S. 16f. zum Nachweis des Jahres 1965 gegenüber W. Goez, Rainald
1974, S. 476f., der für 1063 plädierte. Das Zitat bei Struve, Wende 1992, S. 332. - Petrus Damiani,
Briefe 3, Nr. 104 (1065; Ermunterung zu religiösem Leben), 124 (1065f.; spendet Trost über
Einsamkeit); 130 (1065f.; Mahnung, Schwierigkeiten des neuen Lebens zu ertragen); 144 (1067;
bittet an den deutschen Hof Gereiste um baldige Rückkehr); 149 (Fastenzeit 1067; hofft, dass ihr
Aufenthalt am Königshof Agnes nicht vom Entschluss für das geistliche Leben abbringe). - Zum
Verhältnis zu Rainald s. unten Abschnitt VI.2.2.26 sowie Zerbi, Vescovo 1993, S. 259-268, der S.
260 darauf hinwies, dass der Beginn ihrer Beziehungen nicht eindeutig festzulegen sei: In Frage
komme die römische Frühjahrssynode 1063 oder auch die undatierte Restitution des Klosters
Breme an Rainald (MGH DD H IV 79, vom Herausgeber wird die Ausstellung zwischen 1061
und 1065, näherhin zu 1061f. angenommen). Ob der Kontakt zu Agnes und Petrus Damiani
wirklich eine Wendung hin zu Reformideen bewirkt habe, wie Zerbi, Vescovo 1993, S. 262, 264
postulierte, ist fraglich.
1509 Vgl. Black-Veldtrup, Agnes 1995, S. 1, 335, 337, 339.
1510 Vgl. ebd., S. 336f. Zur Bitte um Aufnahme in die Gemeinschaft von Fruttuaria S. 270.
1511 Kalender Bernolds, S. 521.
 
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