Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 13.1914

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Das Stoclethaus zu Brüssel. — Der Haupteingang
DAS STOCLETHAUS ZU BRÜSSEL
von Architekt Professor Josef HOFFMANN, Wien
Von A. S. LEVETUS, Wien

Daß das Stoclet-Palais in Brüssel einen Mark-
stein in der Geschichte der modernen Bau-
kunst bezeichnet, steht außer Zweifel. Denn es ist
ein Werk, das von den höchsten künstlerischen
Idealen eines echten Architekten unserer Zeit zeugt.
Ein Künstler hat ja nur selten Gelegenheit, ein
Kunstwerk zu vollbringen, bei dem seiner Phantasie
die Flügel wachsen, seine Gedanken zu Wirklich-
keiten werden und seine Künstlerschaft zur vollen
Entwicklung kommen kann. Soll dies möglich wer-
den, muß ihm der Auftraggeber unumschränktes
Vertrauen schenken, d. h. der Bauherr selbst muß
ein Mensch mit hohen Kunstidealen sein; nur dann
wird er den Künstler in Freiheit und störungslos
gewähren lassen.

Es ist selten, daß zwei Persönlichkeiten in dieser
Beziehung so gut zueinander passen wie M. Stoclet
und Professor Josef Hoffmann. Hätte sich M. Stoclet
einen Architekten gewünscht, der nur für das Auge
baut, dessen Werke durch äußerliche Pracht und
prunkenden Reichtum fesseln, hätte er sich wohl
einen Baumeister ganz anderer Art ausgesucht als
Professor Hoffmann. Sein feiner Geschmack und
sein richtiges Urteil in Sachen der Kunst und des
Kunsthandwerkes ließen ihn aber gerade in Hoff-
mann den seinen Wünschen entsprechenden aus-
übenden Meister finden. Der Architekt ergriff die
ihm dargebotene Gelegenheit zu uneingeschränktem
Schaffen mit dem Eifer des echten Künstlers. Und
das nun fertige Werk läßt erkennen, wie sehr ihn

MOD. BAUFORMEN 1914 I. 1
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