Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 13.1914

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Die Gartenstadt Hüttenau bei Blankenstein a. Ruhr. — Ansicht von Westen

DIE GARTENSTADT HÜTTENAU UND ANDERE WOHNBAUTEN
von Architekt Professor GEORG METZENDORF, ESSEN
Von OTTO ALBERT SCHNEIDER, Essen

Es war ein glücklicher Zufall, der den Süddeut-
schen Georg Metzendorf in das Industriegebiet
führte. Glücklich für ihn, denn seine lebhaft spie-
lende Phantasie konnte sich hier an sachlichen
Aufgaben zügeln lernen, glücklich für uns, weil eine
Natur seiner Art auch dem nüchternen Zweckbau
noch eine intime Stimmung zu geben weiß. Es hat
nicht an Leuten gefehlt, die sich an der Stimmungs-
kunst der ersten Bauperiode seiner bekannten
„Margaretenhö h e “stießen, denen die malerische
Dorfpoesie der zum Marktplatz führenden „Steilen
Straße“ allzu romantisch erschien. In der Tat hat
der Süddeutsche in diesem reizenden Stückchen
Architektur sein persönliches Empfinden wohl zu
stark sprechen lassen: der Zweckgedanke tritt, so
gewissenhaft er im einzelnen wie im ganzen mit-
gearbeitet hat, hinter der gefühlvollen Freude am
poetischen Detail zurück. Der Künstler kam freilich
über dem Bauen mehr und mehr zur Besinnung,
und schloß an den gerade für uns als Kontrast so
fesselnden Eingang Bildungen von einer so ver-
haltenen und dabei ausdrucksvollen Sachlichkeit,
daß auch der damals skeptische Betrachter heute
mit Vertrauen die weitere Entwickelung des schönen
Unternehmens verfolgen kann.

Einen gesunden Blick für diese erst später
organisch sich auswachsende Begabung des Städte-
bauers Metzendorf bewies der Amtmann Thiel
in Blankenstein, als er den Künstler vor vier Jahren
mit dem Entwurf und der Ausführung der Garten-
stadt Hüttenau betraute, die auf dem zwischen
Blankenstein und Welper an der Ruhr gelegenen
Gelände gebaut und von den genannten Gemeinden
finanziert wird. Das Werk ist augenblicklich zum
zehnten Teil fertig: um diesen Kern (vgl. Abbil-
dungen S. 161 u. 162) muß sich die übrige Baumasse
noch heriimkristallisieren, damit das Städtchen mit
der Umgebung zu der ästhetischen Einheit zu-
sammengeht, die dem Künstler vorschwebt. Eine
Hauptstraße,gleichzeitigVerbindungsstraßezwischen
Welper und Blankenstein, trennt die Kolonie in
zwei Teile (vgl. den Lageplan S. 164). Der linke,
kleinere Teil senkt sich nach dem ihn abschließen-
den Walde, in dessen Randlinie Metzendorf den
Lageplan geschickt hineingezogen hat. Dieser Lage-
plan ist aus dem Gelände als weiträumige, übersicht-
lich-klare und bei aller Zweckmäßigkeit der Grup-
pierung gleichsam natürlich gewachsene Lösung
herausentwickelt. Hier haben, wie auch in der
weiteren Gestaltung der Margaretenhöhe, sachliche

MOD.BAUFORMEN 1914. April. 1.

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