Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1908-1909

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WÜRTTEMBERGISCHE KUNSTCHRONIK

FÜR DAS 1. HALBJAHR 1908.

Im Kgl. Landesgewerbemuseum, fand von Anfang Januar an eine Ausstellung
von Biedermeier-'Wunschkarten statt, vom 11. Januar ab eine Sonderausstellung
der wesentlichsten Arbeiten des Lehrers an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg,
Professor H. Bek-gran, meist Entwürfe für graphische Objekte, sowohl für Plakate,
als auch für Buchillustrationen und Akzidenzdrucke durchweg modernen Genres. Die
zahllosen Motive der "Wunschkartenausstellung, die namentlich die besten alten "Wiener
Karten zeigen, sind so überaus charakteristisch, daß sich der Verlag von Julius
Hoffmann entschlossen hat, ein großes Lichtdrucktafelwerk über dieses Gebiet
herauszugeben. Die Probedrucke aus diesem "Werk sind bereits in dieser Ausstellung
zu sehen.

In der zweiten Hälfte des Januar Ausstellung der Sommer- und Ferienhäuser aus
dem Wettbewerb der Berliner „"Woche", eine künstlerisch und praktisch anziehende
Sammlung vorzüglicher Modelle, die die Rundreise durch die größten Städte Deutsch-
lands machten.

gs>3c»c)3gas bald 350 Jahre alte Uracher Rathaus, 1562 errichtet und 1804 renoviert,
ß> <5j ist neu umgebaut und Anfang Januar vollendet worden. Die Pläne wurden

g-V § laut „Schwäb. Merkur" dem Landeskonservator, Professor Dr. Gradmann,
CflSfiG.ee) vorgelegt und von ihm gebilligt. Die Hauptveränderungen sind folgende: Im
Erdgeschoß an der Giebelfassade gegen den gotischen Brunnen (nach S"W.) wurden
Arkaden angelegt mit Verwendung der alten eichenen Pfeiler und diese verziert mit
alten, an diesen Pfeilern gefundenen Pflanzenornamenten und den "Wappen Urachs, der
Grafschaft, des Herzogtums, des Königreichs "Württemberg und dem deutschen
Reichsadler: in Holzrelief. An die Giebelseite wurde auch der Hauseingang mit
Vorplatz und Windfang und das Polizeiwachlokal verlegt. Der übrige Raum des Erd-
geschosses bildet, wie bisher, eine geräumige, von Pfeilern getragene Halle für die
Fruchtschranne, die später auch renoviert werden wird. Im ersten Stockwerk ist nun
der Flur durch seine Größe imponierend und ästhetisch sehr befriedigend geworden
durch die dunkel gehaltenen Eichenpfeiler und Deckbalken neben den hellen Flächen,
den geweißten "Wänden und dem braunroten Holzsteinfußboden (Lignolith). Der Sitzungs-
saal ist um 1 Meter höher geworden (3,65) und wird elektrisch beleuchtet durch zwei
Kronleuchter. Die aus Rüsterholz hergestellten neuen Tische und Stühle sind Stiftungen
der Mitglieder der bürgerlichen Kollegien. Eine eigentümliche wertvolle Zierde des
Saales werden künftig die zehn alten, in Farbe und Zeichnung fein empfundenen
Renaissance-Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert bilden, die im alten Sitzungssaal
als Fensterscheiben dienten und jetzt als Lithophanien aufgehängt werden sollen. Sie
enthalten die Wappen: der Anna Maria, Markgräfin von Brandenburg, Herzogin von
Württemberg, Gattin Herzog Christophs; des Johann Feßler; Doktor Kanzler; des
Hans Haid, Forstmeisters zu Urach; des Johann Krauß, Doktor; des Hans Dietrich
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