Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 1908-1909

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Literarische Neuheiten.

DAS KAISER FRANZ JOSEF-MUSEUM IN TROPPAU, von Dr. Edmund W. Braun. (25 Licht-
drucktafeln und 27 Textabbildungen.)

Braun, ein Badenser von Geburt, ist in Stuttgart kein Fremder; -wiederholt kam er hierher, um
das alte Kunstgewerbe eingehend zu studieren und hat auch für diese Zeitschrift im Anschluß an
seinen Vortrag über „Ludwigsburger Porzellan" einen interessanten Aufsatz geliefert. Das vorlie-
gende Tafelwerk über die Sammlungen des Troppauer Museums, das seit einem Dutzend von Jah-
ren seiner zielbewußten Leitung untersteht, hat bereits einen derartigen Aufschwung genommen, daß
die Herausgabe seiner wesentlichsten Schätze in guter wissenschaftlicher Bearbeitung längst ein
fühlbares Bedürfnis geworden war. Braun hat sich dieser Aufgabe mit dem schönsten Gelingen
unterzogen; er verzichtete mit Recht darauf, alle Objekte aufzuzählen, sondern hebt mit dem siche-
ren Urteil des gewiegten Kenners gleich die wichtigsten und wertvollsten Stücke seiner, nament-
lich durch die Munifizenz des Protektors, Fürsten Liechtenstein mit stattlichen Geschenken bedach-
ten Sammlung hervor. Besonders imponierend ist die keramische Gruppe, die in allen Unterabteil-
ungen wahre Perlen ersten Ranges zählt. Da Braun derzeit der erste Kenner alter Keramik, na-
mentlich alter Porzellane und deutscher Fayencen in ganz Oesterreich ist, hat er schon bei den
Ankäufen die beste Auswahl zu treffen gewußt und beweist seine vollständige Beherrschung die-
ses Gebietes auch im vorliegenden Werke. Aber deshalb sind die anderen kunstgewerblichen Grup-
pen keineswegs vernachlässigt. Schon durch die vielen, mustergültigen Ausstellungen im Troppauer
Museum sind bereits manche wissenschaftlich wertvollen Feststellungen gelungen, die unsere kunst-
gewerbliche Literatur ausgiebig bereichert haben. Auch hier ist den Möbeln, Bronzen, Goldschmiede-
arbeiten, Lederobjekten, Textilien, aber auch den alten Gemälden, die eine wichtige Abteilung des
Museums bilden, ein breiter Raum vergönnt. Jedenfalls müssen wir dem Herausgeber, wie dem
Museumskuratorium für ein so gediegenes Tafelwerk herzlichst dankbar sein, und dies um so mehr,
als bei der etwas entfernten Lage der Hauptstadt von österreichisch Schlesien es nicht jedem
leicht möglich ist, die Originale kennen zu lernen. Zu verwundern ist nur dies, daß man einen so
eminenten Fachmann in Oesterreich in dem verhältnismäßig kleinen Troppau sitzen läßt, statt sich
seiner ausgedehnten Erfahrung und seiner großen Arbeitskraft an wichtigerer Stelle zu bemäch-
tigen, p.

ZWEI WIENER GOLDSCHMIEDEARBEITEN IM FREIBURGER MÜNSTERSCHATZ, von Dr.
Edmund W. Braun. (Sonderabdruck aus den Freiburger Münsterblättern V. 1909. I.)

Der ebengenannte Troppauer Museumsdirektor hat seiner Breisgauer Vaterstadt einen großen
Dienst geleistet, indem er die beiden schönen Stücke aus dem Münsterschatz, nämlich das „ewige
Licht" und den Rokokomeßkelch, nicht nur wissenschaftlich feststellte, sondern überaus interessante
ikonologische Beziehungen zu anderen bekannten Wiener Goldschmiedearbeiten der Rokokozeit klar-
legte. Die Resultate sind überraschend, das Illustrationsmaterial erstklassig. p.
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