Das neue Frankfurt: internationale Monatsschrift für die Probleme kultureller Neugestaltung — 1.1926/​1927

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MUSIK IM LEBEN DER VOLKER

INTERNATIONALE AUSSTELLUNG IN FRANKFURT AM MAIN 1927

Bild 12: PORTALBAU

DIE ARCHITEKTONISCHE GESTALTUNG

Von Stadtbaudirektor Profeffor Martin EKälfer

Für die Ausftellung ftand das Meffegelände mit feinen vorhandenen Gebäu-
den zur Verfügung, einige proviforifche Gebäude follten dazu errichtet werden.
Die Aufgabe beftand darin, die verfchiedenartigen Gebäude, die keinerlei
architektonifchen Zufammenhang haben, organifch zu verbinden, die zum Teil
fehr großen Innenräume überfichtlich aufzuteilen und die Gartenanlage in
architektonifche Beziehung zu den Ausftellungsgebäuden zu bringen.
Für die Durchführung diefer Aufgabe waren folgende Gefichtspunkte maß-
gebend:

1. Die große Fefthalle follte als Kernpunkt der Anlage den größten Teil der
Ausftellung aufnehmen und mußte zu diefem Zwecke in viele kleinere Räume
aufgeteilt werden. Es lag nahe, auch im Äußeren die Dominante der Fefthalle
mit ihrer Renaiffance-Baugefinnung zurückzudrängen und im Anfchluß an das
Haus der Mode ein einheitliches Raumbild zu fchaffen; daher die große Ku-
liffenwand vor der Fefthalle mit dem großen Portalbau in den internationalen
Farben.

2. Um dem Vorplatj der Fefthalle ein würdiges Gepräge zu geben, galt es,
eine Reihe uneinheitlicher und unfchöner interimiftifcher Bauten gerade am
Fefthalleneingang zu einer einheitlichen Hofbildung zufammenzufchliefjen.

3. In ähnlicher Weife wurde der große Garten hinter dem Haus der Mode
mit feinen zahlreichen Pavillons und Einzelbauten mit architektonifchen Mitteln
zu einer großen und ruhigen Gefamtform zufammengefaßt.

4. Für die Unterteilung der großen Fefthalle in die zahlreichen Ausftellungs-
räume wurde ein Konffruktionsfyffem von Enfo-Platten auf Holzgerüften gewählt
und die Decken mit weißer Neffel-Befpannung eingezogen. Mit diefem Mate-
rial ergaben fich wie von felbft klare, fchnittige, gut belichtete und einfache
Räume, die mit ihrem hellen Anftrich die Ausftellungsgegenftände zur vollen
Wirkung brachten. Das einzige architektonifche Wirkungsmittel war die orga-
nifche Aneinanderreihung von Räumen verfchiedener Größe, Grundform und
Höhenentwicklung.

Die Architektur follte nur fchlichter Rahmen der auszufeilenden Dinge fein. Bild 13: pylone

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