Oechelhäuser, Adolf von
Die Miniaturen der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg (Band 2) — Heidelberg, 1895

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XXVI. Cod. Trübn. 47

nur einen einzigen Zierbuchstaben zu Beginn des Breviloquiums des Heiligen Bonaventura
auf fol. la aufweist. Zwischen den wagrechten Theilen des Initials erscheint hier in kleinstem
Maasstabe gezeichnet ein Mönch auf grünem Grunde; der langgestreckte senkrechte Theil
endet in einen Drachen.

Wir wenden uns jetzt zur Beschreibung der einzigen deutschen Hand-
schrift aus dem XIH. Jahrhundert, welche, als mit Miniaturen versehen, für uns in
Betracht kommt:

XXVn. Der Wälsche Gast.

(Pal. Germ. 389.)

Unter den vierzehn Handschriften (abgesehen von 3 Fragmenten), in denen uns
„Der Wälsche Gast", das berühmte mittelhochdeutsche Lehrgedicht des Domherrn von
Aquileja Thomasin von Zercläre überliefert ist, nimmt unsere Pergament - Handschrift
sowohl textlich wie künstlerisch die erste Stelle ein. Der kleine dicke Octavband ist
im Kataloge von K. Bartsch unter Nr. 211 bibliographisch beschrieben, so dass an dieser
Stelle nähere Angaben überflüssig sind. Ueber die Enstehungszeit herrscht keine Ueber-
einstimmung. Friedrich Adelung, der zur Zeit, als unsere deutschen Codices Palatini noch
in der damals unzugänglichen Vatikanischen Bibliothek lagerten, die ersten „Nachrichten von
altdeutschen Gedichten, welche aus der Heidelbergischen Bibliothek in die Vatikanische
gekommen sind", veröffentlicht hat*), bezeichnet unsern Palatinus richtig als die älteste
der vorhandenen Handschriften, ohne aber deren Alter näher zu bestimmen. Friedrich
Wilken nimmt allgemein das XIV. Jahrhundert als Entstehungszeit an**), während
Wilhelm Grimm das XIII. Jahrhundert dafür in Vorschlag bringt***). Ebenso glaubt
Friedrich Rückert aus sprachlichen Gründen der Handschrift kein höheres Alter, als den
Schluss des XIII. Jahrhunderts" zuschreiben zu sollenf); Karl Bartsch ff) bezeichnet
allgemein das XIII. Jahrhundert. Eine sichere Datirung ist auch aus dem Stil der
Illustrationen und aus der Tracht in den Bildern nicht zu gewinnen, im Allgemeinen
weisen aber auch diese Merkmale eher auf das XIII. als auf das XIV. Jahrhundert hin,
so dass wir kaum fehlgehen werden, wenn wir die Entstehunojszeit unserer Handschrift
in die zweite Hälfte des XIH. Jahrhunderts setzen.

'*) Königsberg 1796; II, 128.

**) Fr. Wilken, Geschichte der Bildung, Beraubung und Vernichtung der alten Heidelbergischen
Büchersamnilnngen. Heidelberg 1817. S. 460.

***) Göttinger gel. Anz. 1835, Stück 42 und 43, S. 414 Anm.
f) Der wälsche Gast des Thomasin von Zerclaria, Quedlinburg und Leipzig 1852. S. 402.
tt) A. a. O. S. 119.

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