Oechelhäuser, Adolf von
Die Miniaturen der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg (Band 2) — Heidelberg, 1895

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Von französischem Einfluss ist im Salemer scriptorium nichts zu spüren. Immerhin könnte
man annehmen, dass vorübergehend ein in Frankreich geschulter Illuminator im XIII. Jahr-
hundert dort anwesend gewesen sei und unsere Handschrift gefertigt habe, eine an sich
nicht unmögliche, aber unwahrscheinliche Annahme. Man wird daher wohl richtiger an
eine westdeutsche, vielleicht elsässische Schreibstube unter französischem Einflüsse zu
denken haben.

Wir lassen nunmehr einige weitere lateinische Handschriften deutschen Ursprunges
aus dem Ende des XIII. Jahrhunderts folgen, lediglich mit Zierbuchstaben in der Art
unserer Scivias-Initialen geschmückt. Zunächst eine vierbändige

XVn. Vulgata

(Sal. X, 19—22)

in Folio, deren zugehöriger erster Band nicht mit nach Heidelberg- gelangt ist. Cod.
Sal. IX, 19, der ehemalige zweite Band, der mit dem Buche Samuelis beginnt und der
darauf folgende Band Cod. Sal. IX, 20 sind etwas kleiner im Format (ca. 340 X 480 mm)
als die beiden letzten Bande Codd. Sal. IX, 21 und IX, 22 (ca. 355 X 505 mm), doch
wird die Zusammengehörigkeit aller vier Bände allein schon durch die Uebereinstimmung
der Schriftzüge gewährleistet. Die kalligraphische Ausstattung unterscheidet sich nicht nur
insofern, als z. B. im zweiten Bande auch innerhalb der Columnen kleinere bunte Capitalen
angebracht sind, während in den drei übrigen Bänden dieselben sich nur Vorn an Zeilen-
anfängen finden, sondern auch in der Art der Anbringung der grossen Zierbuchstaben. Hier ist
keine Gleichmässigkeit vorhanden und besonders kein Prinzip herauszuerkennen: bald stehen
sie zu Beginn eines neuen Capitels, bald mitten drinnen vor einem beliebig gemachten
Absätze. Dabei ist der betreffende Platz stets mit Ueberlegung ausgespart und durch
Abrücken der oberen oder unteren Zeilenanfänge vergrössert. Das 3 steht gewöhnlich frei vor
der Zeile. Nur in der Vertheilung der ganz grossen vielfarbigen Initialen jeweils zu Anfang
der einzelnen Bücher und Abschnitte ist eine gewisse Regelmässigkeit gewahrt. So enthält
der erste Band 8, der zweite 19, der dritte 21, der vierte 27 Prachtbuchstaben, welche
im Stil vollkommen übereinstimmen. Die auf S. 105 f. des ersten Theiles gegebene
Charakterisirung dieser etwas ungeschlachten buntfarbigen Initialen mit ihren sternförmigen
Blumen, breitlappigen Blättern und ihrem naturalistischen, meist unklar verschlungenen
Rankenwerk trifft im Allgemeinen auch hier zu. Dagegen sind gewisse technische Eigen-
tümlichkeiten vorhanden, welche deutlich erkennen lassen, dass jeder der vier Bände von
einer andern Hand illuminirt worden ist.

Sal. X, 19 enthält acht bunte grosse Prachtbuchstaben der letzterwähnten Art
(fol. lb, 4a, 37% 64b, g£ö 127% 128a, 155a), bei denen ein kaffeebrauner Ton für den
Grund bevorzugt erscheint. Sonst nichts Bemerkenswerthes.
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