Oechelhäuser, Adolf von
Die Miniaturen der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg (Band 2) — Heidelberg, 1895

Page: 71
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findet sich auch die ohen (S. 3) als Eigentümlichkeit des Breviers beschriebene Doppel-
umrahmüng der Seiten in beiden Bänden dieser Handschrift wieder vor, so dass die
Verwandtschaft mit dem französischen Brevier in der That als eine enge zu bezeichnen ist.
Die Schenkung seitens eines Ueberlinger Magisters und die Ueberreichung an Maria, die
Patronin von Salem, seitens eines weissgekleideten Cisterzienser- Mönches legen zwar die
Vermuthung nahe, dass unsere Handschrift auch in Salem entstanden ist, es würde aber
damit abermals nur die vorübergehende Anwesenheit eines französischen Enlumineurs
(s. oben S. 21) im Salemer scriptorium bewiesen werden können, denn die Erzeugnisse dieser
Schreibschule stehen, wie wir gesehen haben und sehen werden, auf einer niedrigeren Kunststufe
und schliessen sich in künstlerischer Beziehung nicht an die französische, sondern an die
deutsche Initial - Ornamentik und Technik an. Ausserdem braucht ja die weisse Tracht
nicht gerade einen Cisterzienser - Bruder zu bezeichnen, und der Maria waren unzählige
Klosterkirchen geweiht. Der Ueberlinger Magister wird also die Handschrift wohl gelegentlich
einer Eeise in Frankreich erworben und später seinem Kloster geschenkt haben. Der
Traktat selbst ist ja gleichfalls französischen Ursprunges.

Tu der künstlerischen Ausstattung nahe verwandt erscheint

XXXI. Sal. IX, 35

ein Folioband von 297 Pergamentblättern (215 X 315 mm), des Heiligen Augustinus Haupt-
werk: De Civitate Dei enthaltend und ausgezeichnet durch zahlreiche farbenprächtige
Zierbuchstaben. Den Anfang machen drei Bilder buch staben. Das Eröfmungs- Initial 3
(s. Tafel VIII) zeigt den Raum innerhalb des gradlinig begrenzten, langgestreckten (im
Original 120 mm hohen) Buchstabenkörpers, durch einen gothischen Pfeiler in zwei durch
Spitzbogen geschlossene Arkaden getheilt und darin acht Darstellungen zu je zwei in
vier Reihen angeordnet. Die obersten sechs Bildchen enthalten, wie so häufig an dieser
Stelle, die Schöpfungsgeschichte*), trotz des überaus kleinen Formats deutlich und ver-
ständlich dargestellt. Statt Gott Vaters erscheint auch hier, wie so oft, Christus als
Demiurg, feierlich in gespreizter Haltung und sonderbarerweise immer in anderer Kleidung.
Die Schöpfungsbilder stimmen im Ganzen mit denen der oben (S. 15) beschriebenen Vulgata
(Sal. IX, 5) überein, nur dass der Schöpfer hier stets in ganzer Figur erscheint und die
Darstellung dadurch etwas deutlicher wird. Das siebente Bild zeigt auch hier die Ruhe
des siebenten. Tages durch den thronenden Christus wiedergegeben. Neu ist die Hinzufügung

*) Waagen (Paris, S. 289) erwähnt gleichfalls ein 3 mit den Schöpfungsbildern in einer englischen
Bibel des XIII. Jahrhunderts, welche aus Canterbuiy stammt. Ausserdem enthält dieses Initial aber noch
acht weitere Bildchen mit der Geschichte der ersten Menschen. Ein anderes Beispiel, ebendaher stammend,
in der Bibel des British Museum Burney Ms. 3, Abbildung in Palaeogr. Soc. pl. 73. Hier sind noch sechs
Bildehen zugefügt (s. auch oben S. 15 Anmkg. und unten S. 75).
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