Oechelhäuser, Adolf von
Die Miniaturen der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg (Band 2) — Heidelberg, 1895

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Trotz der erwähnten Uebereinstimmung eines Theiles der Initialen und besonders
der Bilderbuchstaben mit denen unseres französischen Breviers ist doch wohl nicht ohne
Weiteres anzunehmen, dass auch dies Ms. in Frankreich geschrieben und illuminirt worden
ist. Schon das Fehlen des Dornblattes macht nach dieser Richtung hin misstrauisch. Dasselbe
dürfte auch bezüglich der drei folgenden Handschriften der Fall sein, von denen wir die

XIV. Vulgata

(Sal. IX, 1)
voranstellen. Der kleine, dicke Band (Blattgrösse des ungemein dünnen Pergaments
87 X 130mm) enthält zu Beginn der grösseren Abschnitte bunte Zierbuchstaben, die denen der
letztbeschriebenen Handschrift in jeder Weise nahe verwandt, aber in Uebereinstimmung mit
der kleinen, ohne Vergrösserungsglas kaum zu entziffernden Schrift noch kleiner und zierlicher,
im Durchschnitt nicht viel über 10 mm i. Q gross gezeichnet sind. Eine Ausnahme machen
die langen Initialen 3? die sicn vor den Zeilenköpfen entlang ziehen. Hauptbeispiel zu
Beginn der Genesis. Die Elemente, aus denen die Buchstaben zusammengesetzt erscheinen,
sind dieselben bunten Ranken mit breitlappigen Blättern, häufig mit Thierformen unter-
mischt; auch die Farbenskala ist dieselbe, freilich mit Ausschluss alles Goldauftrages. Daneben
sind eine Unzahl kleinerer und grösserer zweifarbiger Schnörkel-Initialen über die Seiten
verstreut; Bilderbuchstaben fehlen ganz.

Die zweite Handschrift, ebenfalls eine (unvollständige)

XV. Vulgata

(Trübn. 1496)
in kleinem Formate (120X173 mm) enthält nur zu Anfang (auf fol. 4a und 6b) zwei
mehrfarbige grössere Initialen im Stile der vorbeschriebenen Zierbuchstaben, dafür aber
weiterhin eine Fülle grosser, gothischer Schnörkelbuchstaben in Blau und Roth, deren
Ausführung als eine musterhafte zu bezeichnen ist. Auch die von den kleineren Majuskeln
ausgehenden charakteristischen Schnörkellinien verrathen eine sichere, formgewandte Hand.
Etwas reicheren kalligraphischen Schmuck enthält dagegen wieder das dritte der
hierher gehörigen Mss., ein

XVI. Psalteriuni

(Sal. VIII, 23)
ein mittelgrosser Quartband (223 X 310 mm) von 105 Blättern. Zahlreiche zweifarbige
Schnörkelbuchstaben, die grösseren oft mit ganz kleinen, reizend gezeichneten Thieren als
Mittelpunkt, beleben die 54 Seiten des ersten Theiles, daneben unzählige rothe oder blaue
Anfangsbuchstaben innerhalb der Zeilen. Mit fol. 30 beginnen ein neuer Schreiber und
Illuminator. Letzterer führt an Stelle der grossen Schnörkel-Initialen folgende «5 Bilder-
buchstaben vor den Hauptabschnitten des Psalters ein:
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