Rosenberg, Marc
Der Goldschmiede Merkzeichen (Band 4): Ausland und Byzanz — Frankfurt a.M., 1928

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ALBANIEN

SKYPANIE

Lf.
Nr.

Arbeiten des VII. bis IX. Jahrhunderts

4983

Über eine moderne allgemeine Stempelung in Albanien ist mir nichts
bekannt, ebensowenig über Stempelung der einzelnen Städte während
des Mittelalters. Ich beschränke mich daher auf einige Bemerkungen
über den 1902 bei Vrap im Bezirk Pekinje (im Hinterland von Durazzo)
gemachten »Albanischen Fund«, der, fast ganz in der Sammlung Pierpont
Morgan (f 1913) in New-York vereinigt, den Ausgangspunkt für die von
Strzygowski 1917 in seinem »Altai-Iran« entwickelten Probleme bildet.

Nachweisbar sind insgesamt 41 Objekte, neben einer größeren Anzahl
von Kleinarbeiten aus Goldguß zwölf Gefäße, nämlich

vier Pokale in Gold (Nr. 1-4 S.2-10 mit Abb. 1-7 u.Taf I u.II),
drei Schalen in Gold (Nr. 5-7 S. 11-13 mit Abb. 8-10 u.Taf. III),
zwei Deckel in Gold (Nr. 8 u.9 S.13 mit Abb. 11 u. 12),
ein Silberkessel (Nr. 10 S. 10-17 mit Abb. 13-15 u.Taf. IV),
eine Silberschale (Nr. 11 S. 17/18 mit Abb. 18),
ein Silberkrug (Nr. 12 S 19-22 mit Abb. 19 u.20).
Die Stücke sind ihrem Gesamtcharakter nach nicht einheitlich. Nr. 2
und 12 haben griechische Inschriften (12 auch Kreuzmonogramme) aus
byzantinischer Zeit und sind, wie wohl auch Nr. 3, 4 und 1<>; entweder
im Bereich der Mittelmeerkultur entstanden oder von dem Werkstatt-
meister, dem Verfertiger der übrigen Objekte, klassischeren Originalen
nachgebildet worden. Dieser einheimische Goldschmied könnte, nach
Strzygowski S.252ff., einem in Albanien zeitweilig auftretenden Türk-
stamme angehört haben oder im Gefolge eines östlichen Eroberervolks
(der Awaren?) aus Asien auf die Balkanhalbinsel gekommen sein. Uber
die Zeitstellung des Fundes sagt Strzygowski S. 242: »Es fehlen an den
Stücken des Schatzes eigentliche Datierungsschriften. Da es sich um
einen Werkstattfund handelt und der Nachweis dafür an den Schmuck-
sachen erbracht werden kann, so dürften diese die jüngsten Stücke des
Schatzfundes sein. Alles übrige kann nur als terminus post quem ver-
wendet werden . .. Der Becher mit den Stadtbüsten Nr. 2 sowie der
byzantinische Krug Nr. 12 drücken die Datierung bis ins VII.-IX. Jh.
herunter . . . Alle ... für die relative Chronologie im Wege des Ver-
gleichs in Betracht kommenden Merkmale bestätigen nur die absoluten
aus dem Bestände des Schatzes selbst gezogenen Schlüsse auf das VII.
bis IX. Jh.«
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