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Dürer, Albrecht; Rupprich, Hans [Editor]
Schriftlicher Nachlaß (Band 2): Die Anfänge der theoretischen Studien ; das Lehrbuch der Malerei: von der Maß der Menschen, der Pferde, der Gebäude ; von der Perspektive ; von Farben ; ein Unterricht alle Maß zu ändern — Berlin, 1966

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https://doi.org/10.11588/diglit.29732#0389

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F. 3. b. PERSPEKTIVA ARTIFICIALIS NR. 1, 2

magst du dich als eines tisch zü disem ding fuglich es leychtlich zu tragen vnnd mit zu handelen sey.
gebrauchen. Die alles mag zerlegt werden, auf das Solichs hab jch hernach aufgerissen12.

ANMERKUNGEN

1 Gelenkbändern, Scharnieren.

2 kleine Kloben.

3 sich drehe.

4 „in seiner ganzen Länge vor das Brett vortrete“.

5 „in dem ausgenommenen Teil quer“.

6 Ecken, Enden.

7 forme zapfenartig.

8 Nut, Nute; Fuge, längliche Vertiefung, in die ein ent-
sprechend geformtes Stück gesteckt wird.

9 passe.

10 Die praktische Verbesserung der übernommenen Me-
thode durch ein verstellbares Visier geht anscheinend
auf Dürer zurück.

11 „mit schwarzer Farbe, wie sie bei der Glasmalerei ge-
braudht wurde“.

12 Es folgt der Holzschnitt „Der Zeichner der Laute“
(Kurth 338).

Nr. 2

PERSPEKTIVISCHES 2EICHNEN MIT APPARATEN. ZWEITES
VORGEHEN: ERSATZ DES MENSCHLICHEN AUGES DURCH EIN
NADELÖHR. DER ZEICHNER DER LAUTE

VNderweysung der messung, mit dem zirckel vnnd richt/scheyt, in Linien ebnen vnnd gantzen corporen,/
durch Albrecht Dürer zü samen getzogen (Nürnberg 1525), fol. Q2b, Q3a-
Gedruckt: Lange-Fuhse, S. 198 ff.

[Fol. Q2b]

Ein andre meynung.

Durch drey feden magst du ein yetlich ding, das du
mit erreichen kanst, in ein gemel bringen, auf ein
dafel züuerzeychnen. Dem thü also.

5 Bist du in einem sael, so schlag einn grosse nadel
mit einem weytenn or, die dar zü gemacht ist, in
ein wand vnd setz das für ein aug1. Dardurch zeuch
einen starcken fadem vnd henck vnden ein pley
gewicht daran. Darnach setz einen tisch oder taefel
10 so weyt vonn dem nadel or, darinn der faden ist,
alß du wilt. Dar auf stel stet ein aufrechte ram
zwerchs gegenn dem nadel or hoch oder nider, auf
weliche seyten du wilt, die ein thürlein hab, das
man auf vnnd zü müg than. Diß thürlein sey dein
15 tafel, dar auf du malen wilt. Darnach nagel zwenn
feden, die als lang sind als die aufrecht ram lang
vnd breyt ist, oben vnd mitten in die ram, vnd den
anderen auf einer seyten auch mitten in die ram
vnd laß sie hangenn. Darnach mach ein eysenen
20 langen steft, der zü forderst am spits ein nadel or
hab, dar ein feden den langen faden, der durch das
nadel or an der wand gezogen ist, vnd far mit der
nadel vnnd langen fadenn durch die ram hinauß.

Vnd gib sie einem anderen in die hand, vnd wart
du der anderen zweyer fedenn, die an der ram han- 25
gen. Nün brauch diß also: Leg ein lauten oder was
dir sunst gefelt, so ferr vonn der ram als du wilt,
vnd das sie vnuerruckt beleyb, so lang du jr be-
darfst. Vnd laß deinen gesellen die nadel mit dem
faden hinauß strecken auf die nottigsten puncten 3°
der lauten. Vnd so oft er auf einem still helt vnnd
den langenn faden anstreek2, so schlag alweg die
zwenn feden an der ram kreutzweyß gestrackes3 an
den langen faden, vnd kleb sie zü beden orten mit
einem wachs an die ram, vnd heyß deinenn gesellen 35
seinen langen faden nachlassen. Darnach schlag die
thürleinn zü vnnd zeychen den selben puncten, da
die feden kreutzweyß vber ein ander gen, auf die
tafel. Darnach thü das türlein wider awf vnnd thü
[Q3a] mit einem anderen punctenn aber also, biß 40
das du die gantzenn lauten gar an die tafel punctirst.
Dann zeuch all puncten, die auf der tafel von der
lauten worden sind, mit linien züsamen, so sichst
du, was dar auß wirt. Also magst du ander ding
auch abzeychnenn. Dise meynung hab jch hernach 45
auffgerissenn.

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