A. DIE ANTITHETISCHEN BEGRIFFSPAARE N R. 2, 3
Nr. 3
AUFSTELLUNG DER GEGENSAT2BEGRIFFE, WELCHE DIE MENSCH-
LICHE GESTALT VERÄNDERN. DIE BEGRIFFSPAARE GROSS UND
KLEIN, LANG UND KURZ. VERLÄNGERUNG UND VERKÜRZUNG DES
MANNES VON 7 KOPFLÄNGEN. ANLEITUNG ZUR KONSTRUKTION
DES VERKEHRERS UND DES WÄHLERS
Von Dürers Hand. Zwei später wieder verworfene Niederschriften. Entwürfe zur Lehre von menschlidier
Proportion 1528, III. Buch, fol. O—O3K
1. London 5231, fol. 65a (IV 101 oder 132). Ein auf beiden Seiten beschriebenes Blatt 32 X 22 cm. Wz:
Kleiner schreitender Bär. Oberer Blattrand abgeschnitten. Offenbar als Reinschrift beabsichtigt. Fol. 65b
trägt den Text Kap. III E 2, Nr. 2, 3 (Veränderung durch den Zwilling).
2. London 5231, fol. 62 f. (III 17 oder 6, 7 oder 8). Zwei auf allen vier Seiten beschriebene Blätter
30 X 22 cm. Fol. 62 ohne Wz, fol. 63 Wz: Bekröntes Wappen mit L und zwei Lilien und angehängtem b.
Datierung: Die häufigen (durchgestrichenen) Wiederholungen bei den Gegensatzpaaren lassen annehmen,
daß es sich um verhältnismäßig friihe Konzepte handelt. Die Erwähnung des Mannes von 7 Kopflängen
des ersten Buches als bereits ausgeführt, macht mit Rücksicht auf das Arbeitsprogramm Kap. II B, Nr. 12,
aber doch erst eine Ansetzung 1513 oder später möglich.
Druck: Z. 1 bis 110 der zweiten Niederschrift bei Lange-Fuhse, S. 366 ff., sonst unveröffentlicht.
1
[Fol. 65a]
In disem meinem tritten püchle will jch antzeigen,
wy man dis for beschriben mas endern vnd ferkern
mag, nach eins jtlichen willen dise ding mern oder
myndern, dardurch ein ding vnbekant würt, gar
5 nichtz bey seiner forigen gestalt vnd mas bleibt.
Sölchs nym jch nachfolget fur jn mannen, weibs vnd
kinds bildern vnd noch jn anderm.
Aber das recht zw fernemen, mus man for alln din-
gen wissen, welche ding dy sind, durch dy sölche
10 ferkerung geschehen mag. Das kan man thun durch
widerwertige zwsam fügung jn all eygner mas oder
zw fellen. Dan jn gleichen dingen ist kein vnder-
schid1 dan allein, das eins das ander nit ist. Des
halb künnen gleiche ding nit aws ein ander erkent
15 werden. Was aber zw der mas dynstlich widerwer-
tig genent mag werden, das sind dise hernachfol-
gette ding also:
1-38. Wieder gestrichen. 5. vnd mas] mitV'erweisungszeichen
am rechten Rande. 6. jch] danach für wye her gestrichen; fur]
über der Zeile. 8. recht] über der Zeile, darunter weiter ge-
strichen. 12. kein] mit Verweisungszeichen am linken Rande.
vill
gros
lang
breit
dick
geben
krum
spitz
eben
hoch
rund
awffrecht
jung
hert
feist
liblich .
recht
oben
forn
oder
> oder
vnd vberort
oder
wenig
klein
kurtz
schmall
dün
nemen
schlecht
schtumbff
vneben
nider
eckett
vbertzwerch
alt
lind
mager
hesslich
ling
vnden
hinden
20
25
30
35
39. Am freien Blatteil unten Rechnungsnotizen 96/ 87 fl. 88
[87 gestrichen. fl. XXXVIIIIXXX / 4 fl. 39.
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Nr. 3
AUFSTELLUNG DER GEGENSAT2BEGRIFFE, WELCHE DIE MENSCH-
LICHE GESTALT VERÄNDERN. DIE BEGRIFFSPAARE GROSS UND
KLEIN, LANG UND KURZ. VERLÄNGERUNG UND VERKÜRZUNG DES
MANNES VON 7 KOPFLÄNGEN. ANLEITUNG ZUR KONSTRUKTION
DES VERKEHRERS UND DES WÄHLERS
Von Dürers Hand. Zwei später wieder verworfene Niederschriften. Entwürfe zur Lehre von menschlidier
Proportion 1528, III. Buch, fol. O—O3K
1. London 5231, fol. 65a (IV 101 oder 132). Ein auf beiden Seiten beschriebenes Blatt 32 X 22 cm. Wz:
Kleiner schreitender Bär. Oberer Blattrand abgeschnitten. Offenbar als Reinschrift beabsichtigt. Fol. 65b
trägt den Text Kap. III E 2, Nr. 2, 3 (Veränderung durch den Zwilling).
2. London 5231, fol. 62 f. (III 17 oder 6, 7 oder 8). Zwei auf allen vier Seiten beschriebene Blätter
30 X 22 cm. Fol. 62 ohne Wz, fol. 63 Wz: Bekröntes Wappen mit L und zwei Lilien und angehängtem b.
Datierung: Die häufigen (durchgestrichenen) Wiederholungen bei den Gegensatzpaaren lassen annehmen,
daß es sich um verhältnismäßig friihe Konzepte handelt. Die Erwähnung des Mannes von 7 Kopflängen
des ersten Buches als bereits ausgeführt, macht mit Rücksicht auf das Arbeitsprogramm Kap. II B, Nr. 12,
aber doch erst eine Ansetzung 1513 oder später möglich.
Druck: Z. 1 bis 110 der zweiten Niederschrift bei Lange-Fuhse, S. 366 ff., sonst unveröffentlicht.
1
[Fol. 65a]
In disem meinem tritten püchle will jch antzeigen,
wy man dis for beschriben mas endern vnd ferkern
mag, nach eins jtlichen willen dise ding mern oder
myndern, dardurch ein ding vnbekant würt, gar
5 nichtz bey seiner forigen gestalt vnd mas bleibt.
Sölchs nym jch nachfolget fur jn mannen, weibs vnd
kinds bildern vnd noch jn anderm.
Aber das recht zw fernemen, mus man for alln din-
gen wissen, welche ding dy sind, durch dy sölche
10 ferkerung geschehen mag. Das kan man thun durch
widerwertige zwsam fügung jn all eygner mas oder
zw fellen. Dan jn gleichen dingen ist kein vnder-
schid1 dan allein, das eins das ander nit ist. Des
halb künnen gleiche ding nit aws ein ander erkent
15 werden. Was aber zw der mas dynstlich widerwer-
tig genent mag werden, das sind dise hernachfol-
gette ding also:
1-38. Wieder gestrichen. 5. vnd mas] mitV'erweisungszeichen
am rechten Rande. 6. jch] danach für wye her gestrichen; fur]
über der Zeile. 8. recht] über der Zeile, darunter weiter ge-
strichen. 12. kein] mit Verweisungszeichen am linken Rande.
vill
gros
lang
breit
dick
geben
krum
spitz
eben
hoch
rund
awffrecht
jung
hert
feist
liblich .
recht
oben
forn
oder
> oder
vnd vberort
oder
wenig
klein
kurtz
schmall
dün
nemen
schlecht
schtumbff
vneben
nider
eckett
vbertzwerch
alt
lind
mager
hesslich
ling
vnden
hinden
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25
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39. Am freien Blatteil unten Rechnungsnotizen 96/ 87 fl. 88
[87 gestrichen. fl. XXXVIIIIXXX / 4 fl. 39.
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