Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 18.1925

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380 BESPRECHUNGEN.

fügen. Die Anfänge gehen von der reinen Erzählung aus und ringen, da die be-
sondere Form, vor allem der Metope und des Giebels, einer solchen möglichst un-
günstig ist, stark mit 'ihrer Aufgabe. Immer neue Verbesserungen führen schließ-
lich zur vollendeten Lösung, bei der die Darstellung als bewegte Kraft, die ursprüng-
lich mit dem Inhalt der erzählenden Darstellung verbunden war, zum formalen Aus-
druck der begrenzten Fläche wird, ohne daß aber die Tiefe der Empfindung darunter
gelitten hätte. Bei der Metope geht der Weg von dem unvollkommenen Ausschnitt
aus einer größeren Erzählung über die zyklische Reihung von Zweifigurengruppen
zur Reihe von gleichmäßigen Gliedern, zwischen denen keine Beziehungen herrschen,
die aber durch die Einheit des Themas verbunden sind. So allein ordnen sie sich
dem gleichmäßigen Wechsel des Triglyphenfrieses, dem höheren Ganzen, unter.
Der Fries, im Gegensatz zur Metope, ein einheitliches Band, mußte zuerst aus ver-
schiedenen Themen zusammengestückelt werden, ehe man auch hier die Einheit in
der Reihung von Kampfszenen, deren Richtung und Bewegung sich jedes Mal inner-
halb der einzelnen Gruppe ausgleicht, fand. Der Parthenonfries ist dabei eine ein-
malige höchst persönliche Leistung; der Entwurf stammt von Phidias. In seiner
Bevorzugung der Ost- und Nordseite paßt er vorzüglich zu der besonderen Situation
auf der Akropolis, widerspricht aber dem Wesen des griechischen Tempels, der kein
Richtungsbau ist, sondern bewegungslos inmitten des Heiligtums liegt. Der Giebel
führt zu einer Erhöhung des Reliefs über sich selbst, indem die Figuren sich als
Rundplastik vom Grund lösen, sie werden aber nicht Freiplastik, sondern sind nur
im Rahmen des Giebels zu verstehen, sind eigentlich noch Relief, und es ist mehr
eine Frage der Technik, ob sie durch Zwischenstücke und Dübel noch mit dem
Grund verbunden sind oder nicht. Die Freiplastik folgte ganz anderen Kompositions-
gesetzen.

Dann werden Dreifigurenreliefs besprochen, in meisterhafter Analyse das eleu-
sinische, in dem wir vielleicht ein eigenhändiges Werk des Phidias besitzen, das
Orpheus- und Peliadenrelief. Auch zu den bekanntesten Werken hat Rodenwaldt
etwas Neues und Treffendes zu sagen. Es folgen sehr feine Bemerkungen zu den
Grabreliefs, die in ihrer reinen Menschlichkeit uns die Griechen in einem unserem
eigenen verwandten Fühlen zeigen.

Sehr erwünscht ist ein Kapitel über Weihreliefs, jene Gaben von frommen und
dankbaren Gläubigen, die zu vielen in den heiligen Bezirken unter freiem Himmel
aufgestellt waren und lebhaft an die Motive in heutigen Wallfahrtskirchen erinnern.
Sind sie auch als Kunstwerke vielfach nur von bescheidenem Wert, so lassen sie
doch gerade das religiöse Empfinden der Griechen intimer mitfühlen, als es bei der
strengen Ökonomie der hohen Kunst oft der Fall sein kann. In der Komposition
haben sie zuweilen etwas rührend Unbeholfenes, weil der biedere Handwerker wohl
für die Typen der Götter in den Kult- und Weihestatuen der großen Meister gute
Vorbilder hatte, aber für jene auf sich selbst angewiesen war und nach den Wünschen
der Besteller die Stifter in verschiedener Zahl und Art mit darstellen mußte. Für
ihre Form genießen sie große Freiheit; die Figuren können unter Umständen fast
rundplastisch gebildet werden; es ist ein Hineinstellen in den Raum von Figuren
und vor allem von Beiwerk, das dieser Gattung erlaubt ist, von Altären, Säulen als
Andeutung des Heiligtums, Bäumen und Felsen, daß wir an die Weihnachtskrippen
gemahnt werden.

Das Rätsel des ludovisischen Thrones und seines Gegenstückes in Boston hat
auch Rodenwaldt nicht lösen können. Einen Fortschritt bedeutet aber sein Hinweis,
daß die enge Verbindung mit ornamentaler Umrahmung nicht für architektonische,
sondern tektonische Verwendung spricht. Ob freilich die Erklärung als Throne, die
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