Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 8.1913

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I.
Zur Lehre von den ästhetischen Modifikationen.

Von

Kaarie S. Laurila.

1. Allgemeines.

Bei der durchgreifenden Umgestaltung, der die Ästhetik während
der letzten Jahrzehnte unterzogen worden ist, scheint derjenige Teil,
der unter dem Namen der Modifikationslehre bekannt ist, bedeutend
weniger beachtet worden zu sein als die übrigen Teile der Ästhetik.
Über die Methode und Prinzipien der Ästhetik, über das Wesen und
den Ursprung der Kunst und über viele andere, sogar sehr spezielle
Fragen sowohl der psychologischen Ästhetik im allgemeinen wie der
Kunstlehre im besonderen sind zahlreiche Einzeluntersuchungen er-
schienen, über die Modifikationslehre aber meines Wissens sehr wenige.
Und auch viele von den Ästhetikern, die in der letzten Zeit die ganze
Ästhetik systematisch und zusammenhängend behandelt haben und
dabei auch die Modifikationslehre nicht umgehen konnten, haben doch
diesen Teil -oft nur leicht gestreift.

Diese geringe Beachtung der Modifikationslehre darf jedoch nicht
so gedeutet werden, als sei nach der allgemeinen Meinung der modernen
Ästhetiker an der hergebrachten Gestaltung der Modifikationslehre
wenig zu ändern. Vielmehr haben manche Ästhetiker vielleicht eben
deshalb ein näheres Eingehen auf die Lehre von den Modifikationen
so lange wie möglich hinausgeschoben, weil sie von der gefühls-
mäßigen Überzeugung durchdrungen waren, daß gerade dieser Teil
der hergebrachten Ästhetik am meisten reformbedürftig ist. Bei einigen
mag wohl auch eine gewisse gefühlsmäßige Abneigung gegen die
Modifikationslehre wegen des metaphysischen Anstrichs, der diesem
Teil als dem Glanzstück der spekulativen Ästhetik besonders anhaftete,
mitbestimmend gewesen sein. Und schließlich haben viele eine gründ-
lichere Auseinandersetzung mit der ästhetischen Modifikationslehre
ganz einfach deshalb vorläufig hinausgeschoben, weil sie noch andere,
ihrer eigenen Ansicht nach wichtigere ästhetische Probleme zuerst be-
handeln wollten.

Zeitsc.hr. f. Ästhetik u. allg. Kunstwissenschaft. VIII. 1
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