Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 8.1913

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VIII.

Die Aktivität im ästhetischen Verhalten.

Von
Heinrich Wirtz.

Einleitung.

Die Besprechung der Resultate meiner Arbeit versetzt mich in die
Notwendigkeit, einiges über die Gedanken zu sagen, die mich zu
dieser Untersuchung veranlaßt haben. Da diese Gedanken von meinen
eigenen ästhetischen Erlebnissen ausgehen und ich meine Selbst-
beobachtungen, wie es dem Gegenstande der Untersuchung dienlich
sein mußte, in reichlicher Form für die Klärung des behandelten Pro-
blems verwertet habe, so sei es mir zunächst gestattet, mich hierüber
etwas näher auszulassen.

Meiner Selbstbeobachtung entsprang die Überzeugung, daß sich
beim ästhetischen Genießen allmählich eine innere Tätigkeit entwickelt,
welche sowohl mehr als die allgemeine Tätigkeit bedeutet, die allen
Wachzuständen unseres Seelenlebens eigen zu sein pflegt, als auch
mit den Tatsachen der Einfühlung und des Miterlebens nicht genügend
erklärt zu sein scheint. Bei dem Wachsein des Seelenlebens handelt
es sich um die innere Lebendigkeit und Beweglichkeit, welche den
Gegenständen der äußeren und inneren Welt zugewandt ist. Von
dieser allgemeinen Aktivität glaubte ich diejenige Aktivität trennen
zu müssen, die als Reaktion aus der Versenkung in einen
ästhetischen Gegenstand hervorgeht. Diese Aktivität tritt
mit all ihren Erscheinungssymptomen als eine spezifisch ästhetisch
gerichtete zutage.

Als das Wesentliche dieser Erlebnisse empfand ich stets die Im-
pulse, die mich über mich selbst hinaus zu heben schienen, den
Drang, die Kraft, welche aus dem Erlebten sprach, nicht zu verlieren,
sondern mir zu eigen zu machen, die Notwendigkeit, mich mir selbst
gegenüber oder auch anderen gegenüber mitzuteilen und auszusprechen.
— Diese Art des Erlebnisses steht ganz fern jener Einbildung, die da
meint, im Erlebnis den Künstler selbst zu übertreffen und tiefer und
besser zu erleben, als der schaffende Künstler es in seinem Werke
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