Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 8.1913

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II.

Wie man Bilder hängt.
Zur Technik von Museum und Ausstellung.

Von

Erich Everth.

Der Museumscharakter überhaupt. Wir müssen Museum
und Wohnung unterscheiden. In der Wohnung sind die Bilder um
des wohnlichen Raumes willen, im Museum ist der Raum der Bilder
wegen da. Es wäre also falsch, im Museum durchweg Wohnungen
nachahmen zu wollen, die ja doch unbenutzt blieben und in schlim-
merem Grade tot wirken müßten, als etwa mal ein allzu sehr aus
seinem Zusammenhange genommenes Bild.

Ein Museum wie das Magdeburger, das in der Einrichtung von
Zimmern, mit einzelnen Bildern drinnen, systematisch vorgegangen
ist, gibt denn auch nebenher andere Räume, wo die große Menge der
Bilder — und auch die wertvollsten — hängen. Ich mache mir zwar
Wilhelm Trübners Unterscheidung nicht zu eigen, wonach Bilder ge-
ringerer Qualität, »von nur akademischem Können«, ins Kunstgewerbe-
museum gehören (Personalien und Prinzipien S. 114). Aber ich er-
innere daran, daß man z. B. gewisse wertvollste Bilder unter keinen
Umständen dekorativ verwendet zu sehen wünscht. Der Unterschied
von »dekorativer und nachahmender Malerei-<, wie ihn Schultze-Naum-
burg statuiert und wie er ja auch hier gewiß wichtig ist, erschöpft
das auch nicht; sondern es handelt sich auch um die Würde mancher
Werke, die durchaus exempt scheinen wollen und sollen.

Sie sind zu schade, um unselbständig oder um irgendwie als ein
Teil zu erscheinen; und selbst wenn sie in wirkliche, bewohnte
Zimmer gehängt werden, so müssen auch dort besondere Vorkeh-
rungen geschaffen werden, um ihnen ihre Würde zu sichern; etwa
durch besondere Unterbauten, wie sie z. B. Klinger seinen großen
Malwerken zu geben liebt, oder irgend etwas dergleichen. Und dann
wird sich ihre überragende Bedeutung nur um so mehr zeigen und
darin äußern, daß sie sich zu Herren des Zimmers machen und den
Menschen verdrängen! Sie ordnen sich eben nicht unter. Herman
Grimm erzählt einmal in seinem Raffaelbuche von einer großen Repro-
duktion der Sixtinischen Madonna, die er in sein Arbeitszimmer nahm
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