Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 9.1914

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128 BESPRECHUNGEN.



Akademie der Wissenschaften (Juni 1912) gestellt hat, mit dem Läzärschen Werke
um einen Schritt weitergekommen ist.

Wien. Joseph Feinsteiner.

A. Lauterbach, Die Renaissance in Krakau. Mit 43 Abbildungen. Eugen
Rentsch Verlag, München 1911.

Seit Essenweins vor mehr als 40 Jahren erschienener Abhandlung über die
mittelalterlichen Baudenkmäler Krakaus ist in deutscher Sprache über die interessante
Kunst dieser einst so wichtigen Vermittlungsstätte der Kultur im Osten nichts mehr
geschrieben worden, abgesehen natürlich von den Bemühungen, die Tätigkeit von
Veit Stoß, Hans Süß v. Kulmbach, Hans Dürer und anderer in Krakau genauer fest-
zustellen. Da muß der Versuch eines deutsch-polnischen Schriftstellers, die Erschei-
nung der Renaissance in Krakau zum Gegenstande einer eigenen kleinen Schrift zu
nehmen, als verdienstlich anerkannt werden, wenn auch der Wert seiner Leistung
hauptsächlich darin bestehen dürfte, daß er das Wichtigste aus der reichen einhei-
mischen Literatur über Krakau und die polnische Renaissance den deutschen Leser-
kreisen übermittelt. Auf selbständige eigene Forschung macht die hübsch ausge-
stattete und mit guten Illustrationen versehene Schrift wohl keinen Anspruch, und
an den für die allgemeine Kunstwissenschaft interessanten Problemen seines Themas
geht der Verfasser schweigend vorüber. Er hat zwar eine richtige Vorstellung
davon, daß es sich hier um eine verpflanzte und niemals fest eingewurzelte Kunst
handelt, die fast ausschließlich von eingewanderten Italienern ausgeübt wurde, und
hält sich deshalb von einer Überschätzung erfreulicherweise im allgemeinen frei.
Aber es wäre lehrreich gewesen, den Charakter einer solchen Importkunst an den
einzelnen Erscheinungen nachzuweisen, wozu die polnische Renaissance auf Schritt
und Tritt Gelegenheit bietet. Die überschlanken, aus zwei aufeinander gestellten
Säulchen gebildeten Gesimsträger im obersten Geschoß des Arkadenhofes im Wa-
velschloß z. B. sind eine Kompromißfonn, die die italienische Architektur sich nur
dort erlauben konnte, wo, wie sie wohl wußte, das Gefühl für Proportion nicht so
fein entwickelt war, daß man das Unorganische des »wackligen« Aufbaus empfand;
man wollte »Säulen«, und der geschmeidige Italiener gab sie, wenn auch in einer
Form, die er im eigenen Lande kaum gewagt hätte. Ähnlich steht es mit dem
Prunkbau der Sigismundkapelle, den man kaum als »den vollkommensten Renais-
sancebau im Norden« bezeichnen darf. Bei aller Virtuosität der Arbeit tritt — ganz
abgesehen von den unglücklichen Grabfiguren — der Mangel an feinerem Leben
für den Kenner bodenwüchsiger italienischer Kunst auch hier deutlich genug zu-
tage. Es ist alles auf reiche äußerliche Wirkung angelegt, aber es fehlt die innere
Einheit des Stils, schon aus dem Grunde, weil nicht bloß oberitalienische, wie der
Verfasser annimmt, sondern deutlich auch römische und florentinische Skulptoren-
manier zur Anwendung gekommen ist. So ließe sich im angedeuteten Sinne noch
auf manches hinweisen, was der Verfasser hätte darlegen können, wenn er die
Untersuchung in die Tiefe führen wollte.

Greifswald. Max Semrau.

E. Utitz, Was ist Stil? Mit 12 Bildtafeln. Stuttgart, Verlag von Ferdinand
Enke, 1911.

Das Schriftchen, eine Rostocker Antrittsvorlesung, beantwortet die Titelfrage
nach den Kategorien: Künstlerstil, Materialstil, Zweckstil, Ortsstil, Nationalstil (z. B.
deutsch, italienisch, österreichisch u. a.), Zeitstil, Auffassungsstil (so könnte man
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