Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 31.1937

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BESPRECHUNGEN

Briefe an den Studenten Albert Brenner vollzählig aufgenommen. Sie gehören zum
Schönsten, was je überlegene Menschlichkeit des Gereiften zu dem wirren Suchen
des Werdenden gesprochen hat. — Daneben fesselt erneut die Begegnung Nietzsche-
Burckhardt, die in der skeptisch ängstlichen Zurückhaltung des Älteren lebhaft an
den Briefwechsel Goethe-Schopenhauer erinnert. Auch die polternden Einseitigkeiten
neben wahrhaft prophetischen Einsichten in den Werdegang des demokratischen
Zeitalters zeichnen das Bild des großen Baslers in seiner ganzen und echten
Menschlichkeit. Hinter dem bedeutenden Historiker und seiner Geisteswelt taucht
aber immer erneut eine andere Landschaft in seinen Briefen auf — Italien und die
bildende Kunst. Hier flutet der Lebensquell Burckhardts. Er ist der Anbeter des
Gestalteten. Was groß und was geformt ist, das klingt in der Seele Burckhardts
mächtig und unzerstörbar nach. Sein Verständnis ist hier viel reicher wie im zeit-
genössisch-Politischen. Er entdeckt als einer der Ersten die Werte des Barock, er
interpretiert die Bedeutung der Übergangsstile, er überwindet die Künstlergeschichte
zugunsten der Stilgeschichte. All das mag in dieser umfänglichen Briefsammlung
nachgelesen werden. Ein Verzeichnis der Briefausgaben und Briefabdrücke bildet
eine wertvolle bibliographische Ergänzung.

Die Einleitung bedeutet eine wichtige und ausgezeichnete Bereicherung der
umfänglichen Burckhardt-Literatur. Der Autor hat das Werk des Gelehrten mit
seinem Lebensgange verknüpft und so die geistige Entwicklung Burckhardts sicht-
bar gemacht. Vor allem erscheint der Wechsel zwischen historischer und kunst-
historischer Arbeit im Lebenswege Burckhardts besonders einleuchtend heraus-
gearbeitet. Die Stellung zu Deutschland wird im Unterschied zu den meisten
Biographien positiver gezeichnet, man könnte sagen: des Basler Aristokraten
Ressentiment wird hier beiseitegeschoben. Ohne gerade unrichtig gedeutet zu sein,
würde sich Burckhardt vermutlich doch wohl anders über dies Problem aus-
gesprochen haben. Jedoch zeigt die umfängliche Einleitung auf Schritt und Tritt
gründliche Kenntnis und ehrfurchtsvolles Verständnis für den großen Briefschreiber.

So kann man diese Ausgabe zu den wertvollen und bleibenden Leistungen
geistiger Traditionsbewahrung rechnen.

Mills College, Californien. Alfred Neumeyer.

Die Skulpturen des Vatikanischen Museums, Band 3, 1, heraus-
gegeben vom Archäologischen Institut des Deutschen Reiches, bearbeitet von
Georg Lippold. Berlin 1936. W. de Gruyter. Text und Tafeln.
Nach fast dreißigjähriger Unterbrechung ist den beiden bisher erschienenen
Bänden des Katalogs der vatikanischen Sammlungen der erste Teil des dritten
Bandes gefolgt. Er ist den drei Hauptsälen des zu Ende des 18. Jahrhunderts er-
bauten Museo Chiaramonti gewidmet, der Sala delle Muse, der Sala Rotonda und
der Sala a croce greca, drei Museumsräumen, die für bestimmte Kunstwerke ge-
schaffen worden sind und sie bis auf wenige im Katalog vermerkte Veränderungen
auch heute noch in ihrer ursprünglichen Anordnung beherbergen. Wir begrüßen es
daher, daß drei der 77 Tafeln, mit denen der neue Halbband ausgestattet ist, diesen
Räumen gewidmet sind, die mit den in ihnen aufgestellten Bildwerken, dank den
besonderen Beleuchtungsverhältnissen und der Farbigkeit der Wände, sich zu jener
klassizistisch-kühlen Einheit verbinden, als die man sich die mit Bildwerken ge-
schmückten Innenräume der römischen Kaiserzeit vorstellen kann. — Nach dem
Tode von Walter Amelung, der die Vorarbeiten auch für den dritten Band be-
gonnen hatte, ist das Katalogwerk, dem man eine baldige Fortsetzung wünschen
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