Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 31.1937

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BESPRECHUNGEN

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erzeigt, hat nichts zu tun mit dem fest verankerten römischen Rundbild, dessen
gesättigte Bildfüllung laut Jakob Burckhardt so deutlich macht, „was das schwie-
rigste und schönste aller Formate und was ein Format überhaupt für die Darstellung
bedeutet".

Ebenso wie der Spitzbogen oder die sog. Renaissance-Architektur sich in mehre-
ren Weltanschauungen hat spiegeln dürfen, ist es auch dem Rundbild beschieden
gewesen, nacheinander zwei Stile zu verkörpern. Die verlockende Einheit des Themas
bricht dadurch zwar auseinander, macht aber die Beschäftigung mit dem Problem
und das Nachgehen der kompositioneilen Bedingungen und Lösungen um nichts
uninteressanter. Gerade in diesem Ringen um die weltanschaulichen und stilistischen
Grundlagen liegt die Bedeutung und der Wert des vorliegenden Buches.

Schwerin. Margarete Riemschneider-Hoerner.

Heinrich Alfred Schmidt: Kunstsammlungen, Kunstwissen-
schaft und Kunstunterricht. (Rektoratsprogramm d. Univ. Basel f.
d. Jahr 1935.) Basel, Helbing u. Lichtenhahn, 1936. 76 S. 8".

Man wird von dieser Schrift des verdienstvollen, heute 74jährigen Vf.s nicht er-
warten dürfen, daß sie zu den Gesichtspunkten Stellung nimmt, die gegenwärtig in
den im Titel angedeuteten Fragenkreis hineingekommen sind. Auch bietet sie dem
Fachmann kaum etwas Neues, ist vielmehr geeignet, dem Laien Einblick zu ver-
schaffen in die Aufgaben, die dem Leiter einer Kunstsammlung erwachsen und in
Fragen, die an den kunstwissenschaftlichen Forscher und Lehrer immer wieder
herantreten. Das alles ist nicht streng systematisch abgehandelt, sondern Vf. teilt
Erfahrungen aus seiner langjährigen Praxis mit, die sich ihm besonders aufdrängen.
So spricht er in einem 1. Teil über Sinn, Aufgaben und Zweck der Kunstmuseen,
geht auf ihre Geschichte ein und äußert sich über die Eigenschaften, die der Leiter
einer Kunstsammlung haben soll. In einem 2. Teil wird geprüft, wie weit die auf
der Universität gelehrte Kunstwissenschaft den Museumsmann zur Erfüllung der
Forderungen seiner Praxis befähigt. Ausführlich ist die Rede von der Morellischen
Methode, dem Wesen der Stilkritik, den von der Technik dem Fachmann an die Hand
gegebenen Hilfsmitteln der Bilduntersuchung, den Röntgenstrahlen, der Quarzlampe
und dem Mikroskop. Schließlich wird die Möglichkeit geprüft, objektive Werturteile
zu fällen. Vf. bejaht diese Möglichkeit und teilt Beobachtungen mit, die seiner Mei-
nung nach geeignet sind, einer Methode zur objektiven Wertung von Kunstwerken
als Ausgangspunkt zu dienen. Ob etwas damit gewonnen ist, wenn dies so schwierige
und in so verschiedenen Bezirken verwurzelte Problem auf wenigen Seiten ange-
schnitten wird, muß dahingestellt bleiben. Der 3. Teil handelt von der Ausbildung
des Studierenden der Kunstgeschichte. Der gesunde Grundgedanke, daß das „Inter-
esse an der sichtbaren Welt" erste und unerläßliche Voraussetzung für den werden-
den Kunstgelehrten sei, steht im Alittelpunkte der Erörterungen, die gelegentlich in
Ratschläge für den Lehrer der Kunstgeschichte übergehen.

Leipzig. Johannes Jahn.

Wilhelm Ehmann: Adam von Fulda als Vertreter der ersten
deutschen Komponistengeneration und Wilhelm Werk-
meister: Der Stilwandel in deutscher Dichtung und Musik
des 18. Jahrhunderts; beide in der Reihe: Neue deutsche Forschungen
(Hans R. G. Günther und Erich Rothacker), Abteilung Musikwissenschaft
(Joseph Müller-BIattau). Verlag Junker und Dünnhaupt, Berlin.
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