Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft: Zweiter Kongreß für Ästhethik und allgemeine Kunstwissenschaft Berlin, 16.-18. Oktober 1924 — 19.1925

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diese ihm gegebenen Momente primär und elementar selbst zur
Gestaltung führen.. . muß es deshalb, weil er es kann.

In den letzten Jahren finden sich Versuche dazu in verschiedenen
Ländern. In Rußland arbeitet der Maler Baranow- Rossine an ähn-
lichen Versuchen — in Amerika Sheeler, in Paris der Amerikaner Man
Ray. Der erste aber, der schon 1919 vom statischen Bilde den Schritt
zur Erforschung und Gestaltung des dynamischen, d. h. des die
Zeit als Gestaltungsfaktor in seinen Plan aufnehmenden Bildes gemacht
hat, war der schwedische Maler Vicking Eggeling, dem sich in
Deutschland Hans Richter und Werner Gräff anschlössen. Im vorigen
Jahre fand im Theatre Michel zu Paris eine Vorführung der Filme
Richter, Sheeler und Man Ray statt.

Es sind ausnahmslos Maler, und zwar Maler der radikalen Linken,
die sich mit dem Problem des Filmkunstwerks beschäftigen. Das ist
sehr verständlich, aber es liegt darin auch eine gewisse Gefahr. Der
Ruttmannfilm und die an sich sehr interessanten Versuche Baranows
laufen darauf hinaus, das abstrakte Bild etwa eines Kandinsky kaleido-
skophaft beweglich zu machen. Das liegt vielleicht in der Richtung
dieser Malerei, und es führt zumindest bei Baranow zu entzückenden
Färb- und Lichtspielen. Aber es ist doch offenbar, daß hier die spe-
zifische Filmtechnik in den Dienst bildkünstlerischer Tendenzen
gestellt wird und also wiederum nicht elementar und primär arbeitet.
Die Fruchtbarkeit des Eggelingschen Versuches hat sich bereits be-
wiesen, denn wenn der Anfang auch bei ihm eine gewisse Betonung
des graphischen Charakters aus leicht zu verstehenden Gründen auf-
wies, so ist Eggelings Idee nicht an die graphische Entwicklung ab-
strakter Formen gebunden. Für die Erkenntnis elementarer Gestaltungs-
gesetze in Zeit und Raum kann gerade der Film Eggelings ausge-
zeichnete Dienste leisten. Für die Lösung des modernen Problems, das
Moment der Zeit in die künstlerische Gestaltung einzubeziehen, hat er
bahnbrechend gewirkt. Bekanntlich haben auch russische Künstler nach
der Revolution an der Aufgabe gearbeitet, die grundlegende Bedeutung
des Films für diese Aufgabe aber hat erst Eggeling erkannt. Hier
liegen Anfänge der Schaffung einer neuen Sprache. Unser Auge wird
erst in strenger Disziplin lernen müssen, zeitliche Folgen als Einheit,
gleichsam als neue Dimension, zu sehen.

Aussprache.

Julius Petersen:

Eine Ergänzung der beiden Vorträge von Bab und Behne ist schwer, da sie
nicht in gleicher Richtung gingen. Bab verfolgte die Möglichkeiten der Zukunftsent-
wicklung des Films, während Behne sich innerhalb der Grenzen seiner heutigen
Leistungsfähigkeit hielt. Der Analogie »Shakespeare des Films« in der Erwartung,
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