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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0057

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Die Steinzeit im Schwarzwald

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Witterung, liegen. Wenn die mittelalterlichen Scherben im Schwarzwald im allge-
meinen gut erhalten sind, so hängt dies vor allem mit dem härteren Brand, der
geringeren Porosität und der geringeren und gleichmäßigeren Korngröße der zuge-
setzten Magerungsmittel, schließlich auch mit der kürzeren Verwitterungsdauer zu-
sammen. - Aus denselben Gründen bleiben in den Böden des Schwarzwaldes auch
die noch viel leichter auflösbaren Knochen und Knochenwerkzeuge nur selten, unter
ganz besonders günstigen Umständen, erhalten (z. B. Säckingen-Röthekopf, 1, und
Freiburg III, 36). Holzgeräte und andere pflanzliche Kulturüberreste vergehen im
Boden noch schneller und hinterlassen im Schwarzwald noch geringere Färbungs-
spuren als etwa im Lößgelände. Auf dem Grund der Seen oder im wasseröurch-
tränkten Torf wären sie zwar erhaltungsfähig; an solchen Stellen ist aber bisher
im Schwarzwald noch nichts gefunden worden.
v. Äber vermeintliche Steinzeitfunde.
Schließlich darf noch darauf hingewiefen werden, daß die in den Granitmassiven
des Schwarzwaldes nicht seltenen Blöcke mit wannen- oder schüsselförmigen Ver-
tiefungen keine vorgeschichtliche Opfersteine, sondern natürliche Bildungen sind.
Wagner erwähnt einen solchen Stein von Niederwasser, den Hergottsfelsen, lehnt
aber bereits seine Deutung als Opferstein ab. Ich kenne noch einen andern der-
artigen mit natürlichen Vertiefungen versehenen Stein auf Gemarkung Nußbach
beim Hof Wanne zwischen Hintertal und Pappelntal. Zu den pseudosteinzeitlichen
Funden gehören auch manche werkzeugähnliche Stücke, die lediglich ein Spiel der
Natur gestaltet hat. „Steinstößel" dieser Art erwähnt De ecke (1928) vom Schau-
insland. Derartiges ist natürlich in unserer Fundliste nicht aufgeführt.
Die in den Randgebieten des Schwarzwaldes auf einzelstehenden Bergkuppen
angelegten Ringwälle sind in diese Untersuchungen nicht einbezogen, da ihr
steinzeitliches Alter bisher durch nichts belegt werden konnte. Es ist
auch sehr fraglich, ob sie überhaupt vorgeschichtlich sind.
V. Die Verteilung der Steinzeiifunde im Gebiet.
Ein Blick auf unsere Karte (Tafel I) lehrt, daß die Steinzeitfunde in zwei Ge-
bieten, in der Umgebung von Freiburg und auf dem Hotzenwald bei Säckingen
außerordentlich gehäuft auftreten, während sie sonst über das Gebirge nur locker
zerstreut sind. Es wäre falsch, daraus nun auch schließen zu wollen, diese Gegenden
seien vom Steinzeitmenschen besonders häufig durchstreift oder stärker besiedelt
worden. Sie sind nur infolge der Nähe der beiden genannten Städte besser durch-
forscht als andere Teile des Schwarzwaldes. In Freiburg haben sich in den letzten
Iahren nicht nur das Museum der Urgeschichte der Universität, sondern eine ganze
Anzahl von Freunden dieser Wissenschaft der Aufgabe gewidmet, im Schwarzwald
nach Dingen der Arzeit auszuschauen, und in Säckingen wirkt unermüdlich und un-
erreicht der Pfleger des Bezirks, Emil Gersbach.
So lehrt der Fundreichtum dieser Gegenden zwingend, daß zum mindesten der
ganze südliche und mittlere Schwarzwald sehr viel reicher an Zeugnissen steinzeit-
lichen Lebens ist, als bisher angenommen wurde. Ihre Zahl wäre noch weit größer,
wenn die Möglichkeiten, sie zu finden, nicht durch das Äberwiegen von Wald und
Weide über das Ackerbaugelände und durch die ungünstigen klimatischen Amstände
in den Zeiten der Brache sehr stark eingeschränkt und die sonst so häufigen neolithi-
schen Scherben im Boden nicht vergangen wären.

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