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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0059

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Die Steinzeit im Schwarzwald

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Wichtiger ist die andere Tatsache, daß viele unserer Steinzeitsunde auf den
Kämmen und Gipfeln des Gebirges bis auf die höchsten Höhen hinauf gefunden
sind. Zunächst darf daraus allerdings der naheliegende Schluß, daß seit mesolithi-
scher Zeit die Gipfel keine nennenswerte Erniedrigung erfahren hätten, nicht ge-
zogen werden. Es wird damit nur bewiesen, daß Steine und Steinchen von der
Größe der steinzeitlichen Geräte und Abfallstücke durch die Wirkung der Schwer-
kraft, mag sie nun unmittelbar oder durch die Bewegung des Regen- und Schmelz-
wassers tätig gewesen sein, nicht von den Gipfeln hinweggeführt worden sind. Es
bleibt die Möglichkeit bestehen, daß nur sandige, oder sandig-tonige Verwitterungs-
produkte, wie sie der Granit und Gneis liefern, abgespült worden sind, und es hätte
dann eine Tieferlegung der Oberfläche erfolgen können, ohne daß die gröberen
Bodenanteile entfernt worden wären. Wäre diese Annahme richtig, so müßte mit
den Silexstücken auch anderes unverwitterbares Material im Boden liegen geblie-
ben sein, vor allem die größeren und kleineren Quarzstücke, die sich fast überall im
Gneis und Granit finden. Diese mühten eine gewisse Anreicherung erfahren haben.
Davon ist im allgemeinen in den Anschnitten auf den Gipfeln und Kämmen nichts
zu bemerken. Auch spricht die ausgezeichnete Erhaltung der Funde, bei denen an
den Schneiden der Klingen oft nicht die geringste Ausbrechung erfolgt ist, gegen
eine Amlagerung oder einen nur geringfügigen Transport im Boden.
Wir kommen demnach zu dem Ergebnis, daß auf den Kämmen und Gipfeln seit
mesolithischer Zeit keine oder nur eine ganz geringfügige Abtragung erfolgt ist?'.
Auch an den Hängen kann die Verfrachtung nicht sehr bedeutend gewesen sein, und
kein mächtiger Schutt deckt auch hier die mesolithischen Funde. Sie liegen unmittelbar
unter der Oberfläche, so daß sie an Wegeinschnitten bloßgelegt oder auf den Äckern
vom Pflug erfaßt werden können. Nach den Untersuchungen von I. Schmid (1925)
ist heute im Wald unseres Gebietes zwar die Abspülung recht wirksam, sie erfaßt
aber nur die oberflächlichsten Bodenteile, und bewirkt offenbar nur einen allmäh-
lichen Transport des Bodens nach ebeneren Stellen hin. Im Grasland konnte nur
ganz geringfügige Abspülung festgestellt werden. Wir kommen also zu dem Er-
gebnis, daß die Höhen des Schwarzwaldes, seit Pflanzenwuchs sie deckt, nur eine
ganz geringfügige Abtragung erfahren haben könnend Dies gilt nicht nur für die
jüngere und mittlere Steinzeit, sondern auch für das Magdalenien des Röthekopfs,
wo auf dem nach drei Seiten steil abfallenden Vorsprung sogar der leicht abspül-
bare Löß teilweise erhalten geblieben ist.
Offenbar hat die letzte bedeutende Abtragung der Höhen des Gebirges wäh-
rend der Würmeiszeit stattgefunden, als der starke Frost eine tiefgehende mechani-
sche Verwitterung bewirkte und der Pflanzenwuchs noch keine schützende Decke
bildete.

? Ihr entspricht eine sehr geringe Aufschüttung in den weiten Hochtälern des Gebirges,
wie sie Oberdörfer (1931) für das Schluchseegebiet festgestellt hat: „Besonders auffällig ist
die geringe geologische Wirkung des Postglazials". Es war „schon nach dem Abschmelzen
größerer Eismassen die heutige Morphologie des Sees im großen geschaffen". — Daß auch
in der jüngeren Vergangenheit die Abtragung gering war, lehrt die Beobachtung, daß
Schanzen und Ringwälle, die z. T. schon am Abhang liegen, größtenteils gute Erhaltung
zeigen. Sogar die vor den Wällen ausgehobenen Gräben sind vielfach noch deutlich er-
kennbar, also nicht ausgefüllt worden. Die Schanzen stammen nach I. L. Wohleb (1935)
aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die Ringwälle sind z. T. vielleicht prähistorisch,
z. T. mittelalterlich.
Hier wird natürlich abgesehen von den Gebieten, die unmittelbar am Rand schlucht-
artig eingerissener Täler, etwa des Höllcntals oder Wehratals, liegen.


 
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