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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0092

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82

Friedrich Garscha

2. „Apfelkammer": Keramische Funde älteren Charakters; die Gefäßformen sind flauer,
die Verzierung erinnert stärker an Immendingen. (Beide Funde noch unveröffentlicht,
Schlohmuseum Mannheim).
17. Mühlacker (O.A.Maulbronn) 4?» Siedlungskeramik verwandter Art.
18. Neckargartach (O.A.Heilbronn) 42b, Flur Grasiger Weg ein Plattengrab ohne Skelett
mit Keramik ähnlich der von Immendingen.
Der Vergleich der Keramik von Immendingen und Singen mit den genannten
Funden zeigt, daß es sich um eine größere verhältnismäßig uneinheitliche Gruppe
handelt, die teilweise noch der letzten Stufe der reinen Bronzezeit (Reinecke v),
teilweise der Äbergangszeit und in einigen Fällen schon dem Beginn der älteren
Arnenselderstufe angehört (Hallstatt Äh. Die Funde von Immendingen - das Ge-
fäß aus Grab 19 ausgenommen - scheinen noch einheitlich in die späte Bronzezeit
zu gehören. Die Tasse von Singen (s. v.) ist vielleicht etwas älter; sie erinnert in der
Form noch an die Tasse von Bittelbrunn
Aus Grund der Bronzen von Immendingen, Singen und Duchtlingen (f. o.) Er-
schlossen wir den Beginn dieser Gräberfelder in der älteren Bronzezeit (Reinecke 8).
Ihre Belegung in der jüngeren Bronzezeit (E-O) ist durch Funde von Singen ge-
sichert; in Immendingen ist sie für 0 wahrscheinlich, für O gesichert.
In Immendingen handelt es sich also um einen kontinuierlich von der älteren
Bronzezeit (8 oder E) bis zum Ende (O) benutzten Friedhof. Für ihn ist wichtig,
daß die von Singen und Duchtlingen bekannte Grabform: das Flachgrab mit Stein-
einfassung und - gelegentlich - Steindecke, die ganze Belegungsdauer hindurch
bleibt, auch dann noch, als fremde, aus dem Osten kommende Einflüsse (Oberpfalz-
Oberbayern) den Äbergang von der Leichenbestattung zur Leichenverbrennung be-
wirken. Ähnlich wie in Tirol ist also auch bei dem Gräberfeld von Immendingen
der Äbergang zu beobachten. Die Grabform der mannslangen Steinkiste findet
sich bei Brandgräbern; hier wird der Leichenbrand scheinbar in Anlehnung an die
Bestattung auf die abgetrennte größere Kammer verteilt.
Weisen uns die Funde gelegentlich nach Osten (Oberpfalz und Oberbayern)^,
so verhält es sich beim Grabbau anders. Flachgräber mit Steinkisten oder ähnlichen
Steineinsafsungen find anderwärts jünger (v) als in unseren drei Gräberfeldern
(8-v). Wir müssen uns daher fragen, ob es sich bei uns um eine bodenständige
Erscheinung handelt^. Dies bindend zu beantworten, ist heute noch nicht mög-
lich, doch sprechen Erscheinungen wie die gleiche Steineinfassung von Immendingen
(s. o.) aus der frühen Bronzezeit (Reinecke Ä) dafür. Anderseits dürfte die Stein-
kiste der Arnenfelderstufe (Ha. Ä) von Singen (f. o.S.78) kaum anders, als ein
Rachfahre der bronzezeitlichen Grabform zu deuten fein.
42b. Fber. a. Schwaben N.F. VIII, 1935, 60.
42b Fber. a. Schwaben N.F. VII, 1932, 24; Hinweis für 17.—18. durch A.Dauber.
43 E. Wagner, Fundstätten und Funds I, 3 und Fig. 1, b.
44 Vgl. hierzu G. Kraft, Bonner Jahrbücher 131, 1926, 172 ff. und Anz. s. Schweiz.
Aköe. 29, 1927, S. 214 ff., und E. Vogt, Die fpätbrvnzezeitliche Keramik der Schweiz und
ihre Chronologie, S. 10 ff.
43 Wieweit im Main-Neckargebiet und in der Oberpfalz das Vorkommen von Stein-
kisten in Flachgräbern in der Spätbronzezeit auf Lausitzer Einflüsse zurückzuführen ist, soll
hier nicht erörtert werden. Daß archäologische Beziehungen dorthin, vor allem ins west-
liche Gebiet der Lausitzer Kultur (vgl. Grabformen von Helnrsdors, Manus 16, 1924,
385ff.; I. Lechler) bestehen, haben G. Kraft u. a. (Bonner Jahrbücher 131, 1926) aus-
gesprochen.
 
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