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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 13.1937

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https://doi.org/10.11588/diglit.42015#0108

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98

Lothar -Zahl

liefen 5. Von dem Sockel der Statuette hat sich nichts mehr gefunden. Sie muß auf
ihm aufgelötet gewesen sein, da die Fußsohlen glatt sind.
Der Gott steht stolz und selbstbewußt da. Sein Kopf ist nach rechts gewendet
und leicht nach vorn geneigt, der Blick geht in die Ferne. Man hat den Eindruck,
als halte er gerade im Schreiten inne. Das vorgestellte Bein ist schon fest aus-
gesetzt, während das linke zurückgestellt ist und noch auf den Zehen ruht. In der
rechten Hand trägt er den vollen Geldbeutel, dessen Gewicht Schulter und Arme
nach unten zieht. Durch ihn wird er als der Gott des Handels und des Gewinns
bezeichnet. Der jetzt fehlende Caduceus in der linken Hand und die Flügel im Haar
machen ihn dagegen als den schnellen Boten der Götter kenntlich. Aber die linke
Schulter ist in doppelter Lage die mit einem kleinen Stoffgewicht beschwerte
Ehlamhs geworfen. Zunächst fällt sie ein Stück im Rücken herunter, wird dann in
sich gedreht nach vorn genommen und hängt, Falten werfend, über den Anterarm
herab. Der nackte, athletisch gebaute Körper ist sowohl auf der Vorder- wie aus
der Rückseite prachtvoll durchgesormt. Aus den schlank aufstrebenden Beinen und dem
säulengleich gerundeten Leib ruht die Last des breiten Oberkörpers. Der Druck der
sich nach rechts hin senkenden Schulter, verstärkt durch den nach der gleichen Seite
gewendeten Kops, wird durch die weit ausschwingende rechte Hüfte ausgesangen.
Ein Ausgleich gegen die dadurch bewirkte Betonung dieser Seite wird geschaffen
durch die hochgenommene linke Schulter, das zurückgestellte Spielbein und das weit
von der linken Seite abstehende Mäntelchen.
Dec Typus unserer Statuette, deren Standmotiv letztlich aus Polyklet zurück-
geht, begegnet uns bei Merkurdarstellungen häufiger «ü In der gesamten Auf-
fassung am nächsten steht ihr eine silberne Figur von ungefähr gleicher Gröhe aus
BonnZ Beutel, Ehlamhs und der Petasos, der hier an die Stelle der einfachen Flü-
gel getreten ist, sind wie bei unserem Stück vergoldet. Aber abgesehen von der Hinzu-
fügung des Petasos finden sich auch bezeichnende Unterschiede. Die Formgebung
ist weicher und verschwommener, die Haare sind voller und der Stoff des Mäntel-
chens ist voluminöser gebildet. Weitgehende motivische Äbereinstimmungen weist
auch eine Bronzestatuette aus der Themse bei London aufs, bei der die Flügel
ebenfalls unmittelbar am Kops sitzen. Aber die Ausführung im einzelnen ist doch
ganz anders, die Proportionen sind schlanker und der Körper wirkt magerer. Für
die Fassung der Offenburger Statuette selbst dürften Werke des späteren vierten
Iahrhunderts maßgebend gewesen sein. Die straffe elastische Haltung, die Art, wie
sich die einzelnen Körperformen runden und in die Tiefe führen, oder wie sich die
Muskeln wölben und wie von innen herausgetrieben erscheinen, erinnert an die
Kunst aus der Zeit des Lysipp. Doch es fehlen ihr die gestreckten Proportionen,
wie wir sie bei dessen Schaper finden. Wenn unsere Figur ein bestimmtes Vorbild
einigermaßen getreu überliefert, so müssen wir deswegen annehmen, daß in diesem
s Etwa vergleichbar dem Lacluoeu8 aus einem Altar aus Mainz. ^perancliea, lle-
cueil xeneral 6e8 bg8-reliek8, 8tatue8 et l>u8te8 cle la Oaule Homaine VII (1918) S. 284
Nr. 5744 und X (1928) S. 35.
6 Dgl. z. D. S. Reinach, Repertoire cle la 8t3taaire Oregue et llomaine III v. 42, 3
und 5. S. 43, 3—5. S. 44, 5, 7, 9.
? Reinach a. a. O. III S. 43, 7. Reeb, Die Altertümer unserer heidnischen Dorzeit IV
(1900) Tas. 69, 1. H. Lehner, Führer durch das Provinzialmuseum in Bonn I (2. Ausl.)
S. 106 Tas. 19. Germania Romana V (2. Ausl.) S. 11 Tas. 12, 1.
s Reinach a. a. O. II S. 151, 10. Ircbaeoloxia 28, 1839 S. 39 Tas. 5. Nach einer Pho-
tographie abgebildet in: llo/al LomnÜ88lon on lckl8torical lckonument8 (LnZanch. In In-
venror^ of rbe l4i8torical lvlonumenw in üonäon. Voll. III. lloman üonüon (1928) S- 192
mit Anm. 3 auf S. 194 Tas. 66. Den Hinweis auf das zuletzt genannte Werk verdanke ich
Herrn Professor Dragendorff.
 
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