Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Seite: 33
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Grrlnn für beschichte, AltertumMunde,
trunst und Nultlir der Diärese Gortenlnlrg und der uiirlreiizeuden Gebiete.
Heransgcaebcn und redigiert von Amtsrichter a. D. Bert: in I7avcn6üitr§.

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Mr.8rr.4.
'issb.

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'14.

S ch w a b i s ch e Bi o gr u ph i e eu.
8. Lorenz Natter, Edelsteins ch n e i-
der nnd Medai llenr ansBiberach
(1705—1763).')
Von Amtsrichter a. D. Beck.
Johann Lorenz Natter,-) ausgezeich-
neter Graveur und Medailleur, gcb. am 21.
März (nicht Oktober) 1705 zu Biberach
a. Niß, ") der ehemaligen oberschwäbischen
Reichs- jetzt württcinbergischcn Oberamtö-
stadt, welche schon so viele namhafte und vom
selben Fache um die gleiche Zeit zwei wei-
tere Künstler, Fried. Dinglinger und Joh.
') Ein Auszug von diesem biographischen Ab-
riß erschien früher in der „Allg. deutschen Bio-
graphie", XXIll. Bd., 1886, S. 286-288.
2) Derselbe ist ja nicht, wie z. B. von Wal-
Pole in seine» „^necckotes os paintres etc.",
S. 482, geschehen, zu verwechseln mit dem fast
gleichzeitigen französischen Maler Jean Marc
Naitier! Um weiteren etwaigen Verwechs-
lungen und Verwirrungen vvrznbengen, fugen
wir hier noch bei, daß es auch einen französischen
Daktyliothekar Matter, den Vers, der „bistoire
crltlgue cku gnostlcisme" zParis, 1828), ge-
geben hat.
ch Im Taufbuch ist nach gefl. Mitteilung des
Herrn Dekan Werner in Bibciach bloß der Ruf-
name Lorenz eingetragen: der weitere Vorname
Johann steht nicht im Taufregister, findet sich
aber sonst fast überall; in seinen gedruckten
Werten legt sich N. allerdings bloß den Vor-
namen Loienz bei. N.s Ellern waren Joh. (!)
Ulrich Nather, Garnsieder in Biberach, Sohn des
ans Haggeyßweil (wohl dem heutigen Hagen-
wil) im oberen Thurgau stammenden Jakob
Nather; und Rosine, geb. Müller, Witwe des
Kürschners Konr. Hntlmeycr in Biberach; seine
Paten: Leineweber Lorenz (!>.Keller und Anna
Maria Wollhütcrin. — Der Name und die Her-
kunft von N.s Gattin ließ sich bis jetzt nicht in
Erfahrung bringen, ebensowenig, ob von den
ö Kindern N.s noch Nachkommen (Enkel w.?)
etwa in England existieren?

Christoph Schanpp hervorgebracht hat,
(nicht, wie Mariette schreibt, in Nürnberg,
wo N. überhaupt niemals war), ch
in Petersburg am 27. Oktober 1763,
lernte »ach dem herkömmlichen Schulbesuch
in seiner Heimat während sechs Jahre
zuerst die Goldschmiedeknnst, In prole^ion
cle metteur en oeuvre ou 6e jounillier,
wie er selbst einmat angiebt, dann vom Jahr
1724 an bei Siegelschneider Joh. Rad.
Ochs') zu Bern, woselbst er beinahe sechs
Jahre lang blieb. „Mit großem Talente
begabt, machte er selbst unter mittelmäßiger
Anleitung bedeutende Fortschritte, und da
er unablässig nach Vollkommenheit strebte,
war auch bald sein Ruf als einer der
berühmtesten und genialsten Edelsteingra-
venre gegründet". Nachdem er zu seiner
weiteren Ausbildung noch einige Zeit in
Italien, namentlich in Venedig, woselbst
er das Goldschmiedhandwcrk anfgab und
sich ganz ans die Gravierknnst, zunächst
aber nur in Petschaften, verlegte, zngebracht,
kam er vom Jabre 1732—1735 in die
Dienste des Großherzogs von Toskana
Giovanni Gaston, des letzten Medici, nach
Florenz, woselbst er, namentlich von Baron
Phil, von Stosch, zur Nachahmung dcr alten
Meister anfgemnntert, sich des Stndinniö
') Leider ist cs bis jetzt nicht gelungen, den Bi-
beracher Lehrmeister Nntlers ausfindig zu machen.
Joh. Nnd. Och S (auch Ox rc., geb. 1673 zu
Bern) wandlc sich von« Siegelschneiden mit gro-
ßem Erfolg zum edlere» Gcmmenschnill nnd wurde,
nachdem mehrere seiner gelungenen Werke nach
England gekommen waren, Obcrmnnzmcister in
London, ivo er i. I. 17öO starb. — Von Bern
aus hal Nalter wohl auch die Bekanntschaft
des von ihm erwähnten Juweliers nnd sehr
geschickten Edelsteinschneidcrs H n g in Neuen-
bürg gemacht?
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