Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Seite: 190
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1887. Nr. 10 und 11; VI. 1889. Nr. 3)
erstmals in Anregung gebrachte Schramm-
frage, wie es scheint, auch hier, vorerst wenig-
stens, zum Abschluß kommen soll. Den Lesern
der gen. Artikel, überhaupt allen für die Schramm-
frage sich Interessierenden dürfte es nun etwas
zur Orientierung dienen, zu erfahren, daß der
Verfasser des im D -A. VI. 1889. Nr. 5
vom 1. März. S. 19/20 wider den Unterz, ge-
richteten, anonymen, ebendas, in Nr. 9 von
dem Unterz, erwiderten Artikels, wie sich
erst nach Jahren herausstellte, Herr Pfarrer
Dr. Probst ist, welcher seine Gründe zur Ano-
nymität gehabt haben mag. Ans Herrn Probst
als Verf. konnte der Unterz, allerdings nicht
raten, sofern H. Probst es war, welcher auf
die gen. Veröffentlichungen v. I. 1887 hin
im folgenden I. und noch kurz vor dessen
anonymem Gegenartikel vom 1. März
1889, nämlich am 10. Jan. und 15. F-ebr.
1889, sich mehrfach schriftlich an den Unterz,
um Auskunft in der Schrammfrage wandte und
solche auch erhielt, ohne daß der Unterz,
seinerseits darüber etwas von Herrn Probst er-
fahren hatte! Herr Probsts in der Folge ver-,
öffentlichter „Kommentar" zur Schramm-
srage ist nun ebenfalls sehr lang — gewor-
den und hat derselbe in den im „Arch. f. christl.
Kunst", VII. 1889, Nr. 8—10; XIII. 1895,
Nr. 10 sowie in den „Schriften des Ver. für
Geschichte des Bodensees" re- (XX. 1891. Seite
114 ff. re.: „lieber die Bodenseeschnle") erschie-
nenen iveit ansholenden Aufsätzen eine „umfassende
Gelehrsamkeit" entfaltet. Daß inan aber damit
nur einen Schritt weiter in der Schrammfrage
gekommen wäre, kann nicht behauptet werden;
und wenn der Unterz, hier seine (übrigens von
Anfang an nicht verhehlte) Ansicht von der Sache
kurz anssprechen darf, so hat man es hier ledig-
lich mit einer Bcweisfrage zu thnn, welche —
auch nur nach den elementarsten BeweiSregeln —
unschwer zu lösen ist, wenn man das einzig vor-
liegende Beweismittel, d. i. eine angebliche, nicht
einmal in beglaubigter Abschrift vorhandene, an
sich schon höchst verdächtige, erstmals von
dem Knnstsammler Dnrsch, ohne alles weitere
citierte (und dann diesem nachgeschriebene) Jn-
scbrift in Betracht zieht; und steht man eben,
solange nicht andere Beweismittel, namentlich
ein urkundlicher, unzweifelhafter Beleg für die
Existenz eines Bildhauers Schramm in der
fraglichen Zeit erbracht werden, vor einem non
liguet! —-
Mit der Anerkennung endlich meiner — indes),
nicht bloß der Form halber, wie Herr Probst eigen-
tümlich meint, sondern eingehend und für Dritte
nicht unnütz ergriffenen — Initiative in der
Schrammangelegenheit in Nr. 10 S. 86 des „Arch.
s. christl. Kunst" von 1895 ist Herr Probst etwas
spät daran, nachdem dieselbe zuvor schon a. a. O.
(XII. 1894. Nr. 8. S. 71/72) durch Herrn
Bach ausdrücklich konstatiert worden war; in
dem anonymen Offensivarlikel im D.-A. Nr. 5
von 1889 war nicht die Spur von Anerkennung,
wohl aber anderes zu finden. Im übrigen
stimmen die Erfahrungen des Unterz, mit dem,
was ihm von anderer Seite mitgeteilt worden,
überein. Leck.

Lmn Vierten Leuteuarium deK Ge-
vnrtFjahrcF von Sevastinu SchürL-
im (Schernm, Schertet) von Vur
tenvuch.
Von Pfarrer Reiter in Vollmaingen.
Der berühmte Lcindsknechtshauptmann
Sebastian Schärtlin — 1496 zu Schorn-
dorf geboren — diente von 1518 an
dem Kaiser. Im Jahre 1546 wurde er
Feldherr der reichsstädtischen Mitglieder
des Schmalkaldischen Bundes. Nach der
Auflösung desselben trat er 1548 in die
Dienste Frankreichs, worauf er geächtet
und seine Güter konfisziert wurden. Vom
Kaiser 1553 wieder begnadigt, verbrachte
er den Nest seiner Tage zu Bnrtenbach,
wo er 1577 starb, lieber diesen Sebastian
Schärtlin findet sich in dem Freiherrlich
v. Schertelschen Archive auf Dürrenhardt,
Gemeinde Gündringen, eine größere An-
zahl von Urkunden, darunter ein Geleitö-
brief von König Ferdinand, datiert Wien,
13. November 1553, sowie der Sühne-
brief von Kaiser Karl V. ans demselben
Jahre. Dieser Sühnebrief, welcher drei-
fach vorhanden ist (eine Pergamentnrkunde
und zwei Papiernrknnden) mag hier folgen:
WJr Karl der fünfft / von Gots gnaden /
Römischer Kaiser / zu allen zeiten Merer des
Reichs / in Germanien / zu Hispanien / baider
Sicilien / Jhernsalem / Hungern / Dalmatien /
Croalien rc. Knnig. Ertzhertzog zu Österreich /
Hertzog zu Burgnndi re. Grane zu Habspnrg /
Flandern vnd Tyrvl re. Bekennen öffentlich mit
disem Brief / vnd thnn knndt aller menigklich /
das wir gegen vnserm vnd des Reichs lieben
getrewen / Sebastian Schcrllin / auf sein vnder-
thenig diemntig bit vnd erzaignng / so Er in viel
weg / vnd ain lange Zeit her bey vns gelhan /
Auch vilfeltig fleißig fnrbitt / die von vilen hvheS
vnd nidcrn Stands Personen / von feinet wegen /
an vns gelangt / vnd ans; andern mer treffen-
lichen vnd Eheststen Ursachen / vns darzn bewe-
gendt / die Schoss unserer Kaiserlichen güte vnd
miltigkait aufgeschlossen / vnd jene / sampt seinen
Sünen / widernmb zu gnaden auf vnd ange-
nommen / vnd jme alles das / was Er verschiner
zeit / vnd biß ans dato ditz brieffs / wider vns /
vnd das hastige Reiche / Auch unsere Erbliche
Künigrcich / Fürstenlhnmb vnd Lande / in vnd
ausserhalb des Hailigen Reichs/gehandlet/getriben
vnd geübet haben mag / gnedigklich / gentzlich
vnd aller ding / abznthnn / zu tödten / vnd zu
vergessen / vnd unser gefaßte vngnad wider jne
entlich vnd gantz vnd gar fallen znlnssen / gnädigk-
lich bewilligt / zugesagt vnd versprochen. Vnd
daranff mit ivvlbednchtem mnt / gutem Rath / vnd
rechter wissen / gedachten Sebastian Scherilin /
desgleichen seine Süne / aller belaidigung / die
er Er vnd Sy / wider vns vn daS hastig Reiche /
von wegen der Adherentz / fürdcrnng / dienst /
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